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Lungenkrebs

Lungenkrebs

Mit dem Begriff Lungenkrebs werden verschiedene Krebsarten der Lunge bezeichnet. Nur jeder 10. Patient mit dieser Diagnose überlebt die nächsten 5 Jahre. Waren früher hauptsächlich Männer von dieser Erkrankung betroffen, so zeigt die Lungenkrebsrate bei Frauen in jüngster Zeit eine deutlich steigende Tendenz, was insbesondere der stark angewachsenen Zahl weiblicher Raucher zugeschrieben wird.

Arten

Der häufigste Lungenkrebs ist der Krebs der Atemwege, das Bronchialkarzinom, der fast 90 % aller Lungentumore ausmacht. Die Hauptursache dieser Krebsart ist das Rauchen von Tabak. Es wurde unter anderem nachgewiesen, dass das im Tabakrauch enthaltene Benz(a)pyren das Krebsunterdrückungsgen P-53 schädigt. Andere Giftstoffe (Noxen) wie Asbest, Uran, Chrom-Verbindungen, Senfgas, polyzyklisch-aromatische Kohlenwasserstoffe, Zinn und Nickel gelten ebenfalls als Lungenkrebs auslösend (karzinogen). Nach dem Bronchialkarzinom finden sich in der Lunge sehr häufig Tochtergeschwüre anderer Krebserkrankungen, sog. Metastasen. Fast das gesamte venöse Blut des Körpers fließt durch das Kapillarbett der Lungen, um mit Sauerstoff beladen zu werden. Man vermutet, dass abgeschilferte Zellverbände maligner Tumore in diesen Kapillaren hängen bleiben und dort Tochtergeschwulste bilden. Wesentlich seltener sind gutartige (benigne) Lungentumore, wie Adenome, Hamartome, Fibrome, Leiomyome, Hämangiome, Neurinome, Plasmazellgranulome und Amyloidtumore. Alle zusammen machen gerade mal 2% aller Tumore der Lunge aus. Meistens werden sie als Zufallsbefund beim Röntgen entdeckt, da sie oft symptomlos bleiben. Außerdem finden sich auf den Lungenhäuten (Lungen- oder Rippenfell - med.: Pleura) Pleuratumore, vor allem das Pleuramesotheliom.

Systematik

Man unterscheidet:
- Kleinzelliges Bronchialkarzinom SCLC
- nicht kleinzelliges Bronchialkarzinom (NSCLC) z.B.:
  - Adeno-CA
  - Grosszelliges-CA
  - andere

Therapieoptionen


- Operation
- Bestrahlung
- Chemotherapie

Chemotherapie

SCLC


- Carboplatin + Etoposid
- Topotecan (Hycamtin®)

NSCLC

Gemcitabin

Vorbeugung

Da ein großer Anteil der Lungenkrebserkrankungen nachweislich mit den Folgen des Tabakrauchens zusammenhängt, empfiehlt es sich, mit dem Rauchen erst gar nicht zu beginnen bzw. das Rauchen aufzugeben. Die Regierungen verschiedener Länder haben Rauchverbote erlassen, auch um die oft unterschätzten Gefahren des Passivrauchens zu vermindern. Dazu gibt es verschiedene Kampagnen wie den Weltnichtrauchertag. Etwa 4% aller Raucher in Deutschland erkranken im Verlauf ihres Lebens an Lungenkrebs (Quelle: ProSieben).

Siehe auch


- Asbestose
- Bronchialkarzinom
- Krebs

Weblinks


- [http://www.netdoktor.at/krankheiten/fakta/lungenkrebs.htm www.netdoktor.at] - Patienteninfo zum Bronchialkarzinom
- [http://www.bronchialkarzinom2005.de/index.html www.bronchialkarzinom2005.de] - Eine reichhaltige Informationsquelle zum Thema Bronchialkarzinom und Pleuramesotheliom
- [http://www.wissenschaft.de/wissen/news/255346.html www.wissenschaft.de] - "Todesfälle durch Lungenkrebs nehmen bei Frauen weiterhin zu" Kategorie:Krebserkrankung ja:肺癌 ko:폐암 ms:Penyakit barah paru-paru

Krebs (Medizin)

Unter Krebs versteht man das unkontrollierte Wachstum von Körperzellen, die dabei gesundes Gewebe verdrängen oder zerstören. Jedes Organ des menschlichen Körpers kann von Krebs befallen werden. Krebs ist nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Dennoch ist nicht jeder Krebsverlauf tödlich, falls rechtzeitig eine Therapie begonnen wird, oder der Krebs erst in hohem Lebensalter auftritt und langsam wächst. Die derzeitige Heilungsrate bei allen Krebserkrankungen beträgt durchschnittlich 30 bis 40 Prozent. Als geheilt wird in der Onkologie ein Patient bezeichnet, der mindestens fünf Jahre lang ohne Rückfall (Rezidiv) überlebt. Diese Definition von geheilt ist problematisch, weil viele der Rückfälle erst nach fünf Jahren erfolgen. Es fließen mithin viele Patienten in die Krebs-Erfolgsstatistik ein, die später an Krebs sterben (Vgl. Krebsatlas). Man sollte stets im Gedächtnis behalten, dass Krebs nicht gleich Krebs ist - und "Krebs" bedeutet auch nicht zwangsläufig "Todesurteil". Es sind rund hundert Krebserkrankungen bekannt, die sich in Überlebenschance, Behandlungsmöglichkeiten und der Bildung von Metastasen teilweise stark unterscheiden. Die meisten Krebserkrankungen nehmen an Häufigkeit im Alter deutlich zu, so dass man Krebs auch als eine degenerative Alterserkrankung des Zellwachstums ansehen kann. Neben dem Alter sind das Rauchen, andere karzinogene Noxen, familiäre Disposition (Veranlagung) und Virusinfektionen die Hauptursachen für Krebserkrankungen. Durch Krebsvorbeugung und Früherkennung kann das Krebsrisiko unter bestimmten Umständen (abhängig vom Diagnosezeitpunkt, der Krebsart und einem dafür optimalen Alter des Patienten) deutlich verringert werden.

Namensgeschichte

Der Name Krebs wurde Galenus zufolge durch die Ähnlichkeit der geschwollenen Venen eines äußeren Tumors mit Krebsbeinen inspiriert (siehe Krankheit als Metapher). Zuvor verwendete Aristoteles den Begriff "Krebs" vermutlich als erster, als er damit oberflächlich feststellbare, in benachbarte Organe infiltrierende und einwachsende Geschwulste beschrieb (z.B. fortgeschrittener Hautkrebs oder Brustkrebs). In der Bibel wird Krebs auch erwähnt: Paulus warnt vor ketzerischen Widersachern, deren Worte "um sich fressen wie der Krebs" (2. Timotheusbrief, 2:17).

Krebsentstehung

Bei Krebszellen ist diese gegenseitige Abstimmung und Beeinflussung im Zellverband außer Kraft gesetzt. Krebszellen teilen sich unkontrolliert immer weiter, obwohl keine Notwendigkeit mehr dazu besteht. Die Bremssignale des Gesamtsystems an die Tumorzellen werden nicht mehr erkannt und befolgt, da sie den genetischen Code für den Informationsempfang verloren oder abgeschaltet haben. Das Immunsystem des Gesamtorganismus versucht die unkontrolliert wachsenden Zellen zu attackieren. Da sie in vieler Hinsicht aber noch normalen Körperzellen ähneln, fallen die Abwehrmechanismen zu schwach aus, um den sinnlosen Wachstumsprozess zu stoppen. Aus einem örtlich begrenzten Tumor entsteht ein Tumor, der Gewebsgrenzen durchdringen kann, in andere Organe einwuchert und sich selbst mittels Angiogenese sogar neue Blutgefäße bildet.

Mehrstufenmodell

Einige heutige Ansichten über Krebs gehen von einem Mehrstufenmodell der Krebsentstehung aus. Das ältere so genannte Dreistufenmodell gliedert sich dabei in die Phasen der Initiation, Promotion und der Progression. Nach einer Jahre bzw. Jahrzehnte dauernden Latenzphase zwischen dem initialen DNA-Schaden, also der Transformation einer einzelnen Zelle, kommt es erst zum nachweisbaren Tumor. Problematisch am Mehrstufenmodell ist, dass die Begrifflichkeiten Initiation, Promotion und Progression lediglich beschreiben und nicht die Ursache erklären. Zudem sind etwa Promotion und Progression in der Praxis leider nicht scharf von einander abgrenzbar. Bis zu zehn verschiedene Mutationen müssen erfolgt sein. Einige dieser notwendigen Mutationen können vererbt werden, was erklärt, dass auch sehr kleine Kinder an Krebs erkranken können und dass Krebs in so genannten "Krebsfamilien" gehäuft auftreten kann. Ein typisches Beispiel dafür ist das vererbbare Xeroderma pigmentosum. Bei nahen Verwandten von Patientinnen mit Brustkrebs ist die Wahrscheinlichkeit, Brustkrebs zu bekommen doppelt so hoch wie in der übrigen Bevölkerung. In den dazwischenliegenden Schritten der Tumorentstehung (Promotion und Progression) spielen nichtgenotoxische Prozesse eine große Rolle, was Beobachter dazu verleiten könnte, diese Einflüsse als eigentliche "Krebserreger" einzustufen. Die eigentliche Malignität (bei malignen Tumoren) der entarteten Zelle wird in der Phase der Progression erreicht. In jüngerer Zeit wird statt des klassischen Dreistufenmodells von einem komplexen Mehrstufenmodell gesprochen (das nur zum Teil verstanden ist) und die Begriffe Promotion und Progression werden zunehmend vom Begriff der Co-Carcinogenese ersetzt. Bemerkenswert ist Henrietta Lacks, die 1951 an einem bösartigen Gebärmutterhalskrebs starb. Vor ihrem Tod wurden ihr Gewebsproben entnommen und die so genannte HeLa-Zelllinie entstand. Die Tumorzellen leben also seit mehr als fünfzig Jahren unter Laborbedingungen.[http://www.jhu.edu/~jhumag/0400web/01.html]

Historische Annahmen

1902 schrieb John Beard, dass Krebszellen trophoblastischen Embryonalzellen glichen. Zu Beginn einer Schwangerschaft sorgten diese Zellen dafür, dass sich der Embryo in der Gebärmutter einnisten könne. Das Wachstum sei aggressiv und chaotisch. Die Zellen teilten sich schnell und gewännen ihre Energie aus der Zuckergärung. Sie unterdrückten das Immunsystem der Mutter und produzierten humanes Choriongonadotropin hCG, das mittlerweile als Tumormarker anerkannt ist. Die Wucherung stoppt erst, wenn der Embryo ab 7. Woche Pankreasenzyme erzeugt. Ohne diese Enzyme entstünde der bösartigste Tumor, das Chorioncarcinom. Dass Krebstumoren Energie aus der Zuckergärung gewännen (d.h. der Tumor würde anaerob leben), ist die Basis für viele überholte Behandlungsmethoden. Im Jahr 1908 entdeckten Ellermann und Bang ein Virus, das Leukämie in Hühnern verursachte. Peyton Rous war es dann, der 1911 aus einem Muskeltumor mit der sehr hohen Filterfeinheit von 120 Nanometern einen Extrakt herausfilterte, mit dem er wieder Krebs erzeugen konnte. Er vermutete in diesem Extrakt ein Virus. 1966 erhielt Rous für diese Entdeckung des Rous Sarkom-Virus RSV den Nobelpreis.

Theorien zu Krebsauslösern

Krebserregend seien, entsprechend der oben beschriebenen Theorie vor allem Einflüsse, die das Erbgut verändern. Besonders empfindlich dafür ist die Zelle während der Zellteilung; daher sind Zellen, die sich schnell teilen, besonders anfällig. Auch Einflüsse, die das Immunsystem daran hindern, entartete Zellen zu erkennen und zu beseitigen, gelten als krebsfördernd. Besonders gefährlich sind demnach:
- ionisierende Strahlung wie ultraviolettes Licht, Röntgen- oder Gammastrahlung
- mutagene Chemikalien. Die wichtigsten sind größere Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe, Benzol, Chrom(VI)-Verbindungen.

Einordnung der Krebsarten

Krebstumore unterscheiden sich von gutartigen (benignen) Tumoren durch drei Kennzeichen: Sie wachsen
- infiltrierend: die Tumorzellen überschreiten Gewebegrenzen und wachsen in benachbartes Gewebe ein
- destruierend: sie zerstören dabei umliegendes Gewebe
- metastasierend: sie siedeln via Blut- und Lymphgefäßen oder sie bilden durch Abtropfung Tochtergeschwulste - so genannte Metastasen.

Klassierung

Daneben werden noch semimaligne Tumore und Präkanzerosen unterschieden. Semimaligne Tumoren erfüllen nur zwei der genannten Kriterien, Präkanzerosen sind entartetes Gewebe, welches sich mit hoher Wahrscheinlichkeit zu malignen Tumoren entdifferenziert, aber noch nicht infiltrierend und metastasierend gewachsen ist. Der häufigste semimaligne Tumor ist das Basaliom, ein Tumor der Basallzellschicht vor allem der sonnenexponierten Haut, der infiltrierend und destruierend wächst, allerdings nicht metastasiert. Unbehandelt kann der Tumor das gesamte Gesicht einschließlich der Gesichtsknochen zerstören. Die weitaus häufigste Präkanzerose ist die zervikale intraepitheliale Neoplasie, eine Wucherung des Gebärmutterhalses, deren Zellen zellbiologisch Zeichen der Malignität aufweisen, allerdings vom Gewebe her noch nicht infiltriert, destruiert oder metastasiert haben. Zur Vorsorge wird Frauen der jährliche Gebärmutterabstrich nach Papanicolaou, auch PAP-Abstrich genannt, empfohlen, da Präkanzerosen sich deutlich besser behandeln lassen.

Gewebeherkunft

Krebstumoren werden nach dem Typ des entarteten Gewebes klassifiziert. Den weitaus größten Teil aller Krebserkrankungen machen Karzinome aus, also Tumore, die von Epithel ausgehen. Diese werden nochmals differenziert in Plattenepithel- oder squamöse Karzinome, die sich von verhornter und unverhornter (Schleim-)Haut ableiten, und Adenokarzinome, welche sich vom Drüsenepithel ableiten und je nach Ursprung und Aufbau weiter differenziert werden. Eine weitere große Gruppe sind die hämatologischen Krebsformen des Blutes und der blutbildenden Organe, die sich in Leukämien und Lymphome, auch "Lymphdrüsenkrebs" genannt, unterteilen lassen . Daneben gibt es seltenere bösartige Tumoren, wie die vom Stütz- und Bindegewebe ausgehenden Sarkome, neuroendokrine Tumoren wie das Karzinoid oder von embryonalem Gewebe ausgehende Teratome (vor allem der Keimdrüsen).

Statistik

In Deutschland erkranken etwa 395.000 Menschen jährlich an Krebs, davon rund 195.000 Frauen und 200.000 Männer. Die meisten Fälle treten im Alter von über 60 Jahren auf. Die unter 60-jährigen machen mit etwa 107.000 Fällen nur rund ein Viertel der Krebs-Neuerkrankungen aus. Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 1.750 Kinder unter 15 Jahren an Krebs. Am häufigsten werden in dieser Altersgruppe Leukämien, Tumore des Gehirns und des Rückenmarks sowie Lymphknotenkrebs diagnostiziert. Im Durchschnitt werden derzeit etwa 30 % aller Krebspatienten von ihrer Krankheit geheilt. Von allen Krebsheilungen werden ca. 90 % ausschließlich durch die lokal auf die Tumorregion gerichtete, sogenannte lokoregionäre Behandlung, also durch Operation und Strahlentherapie (»Stahl und Strahl«) erreicht. Sehr selten gibt es auch Spontanremissionen. Als Spontanremission bezeichnet man ein komplettes oder teilweises Verschwinden eines bösartigen Tumors in Abwesenheit aller Behandlungen oder mit Behandlungen, für die bisher kein Wirksamkeitsnachweis geführt werden konnte. Allerdings liegt die Wahrscheinlichkeit solcher Spontanremissionen unter der Wahrscheinlichkeit einer Fehldiagnose.

Vergleich der diagnostizierten und der tödlichen Krebserkrankungen

Zahlen mit Stand: 2000 (Quelle: [http://www.rki.de/cln_006/nn_226928/DE/Content/GBE/DachdokKrebs/KrebsDownloads/kid2004__,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/kid2004_ Broschüre »Krebs in Deutschland« der Arbeitsgemeinschaft Bevölkerungsbezogener Krebsregister in Deutschland])

Krebshäufungen bei bestimmten Berufen

Behandlungsmöglichkeiten


- Operation: operative Entfernung des Tumors und benachbarter Lymphknoten.
- Strahlentherapie
  - mit radioaktiven Stoffen
    - durch radioaktives Iod (Schilddrüse nimmt aktiv Iod auf)
  - mit Röntgenstrahlen
  - mit Protonentherapie (Bestrahlung mit Protonen, die den Tumor umgebendes Gewebe schont)
  - mit Mikrowellen (Aufheizung des betroffenen Gewebes)
- Medikamentenbehandlung
  - mit Zytostatika (»Chemotherapie«); die Krebszellen werden an der Vermehrung gehindert bzw. gestoppt
  - Hormontherapie, z. B. Testosteronentzug beim Prostatakarzinom
  - Hemmung des Blutgefäßwachstums (Krebsgewebe lockt Blutgefäße an, in Richtung des Krebsgewebes zu wachsen, um es zu versorgen.)
  - Immuntherapie (Steigerung der Immunantwort auf die Tumorzellen) [http://www.kimt.de/ Immunologische Krebs-Therapie ]
- Palliative Behandlung bzw. Förderung der Lebensqualität
  - Gabe von Schmerzmitteln
  - Besserung des Allgemeinbefindens durch Schmerzbehandlung
  - Ausreichende Ernährung
  - Hemmung des Knochenabbaues
  - Steigerung der Blutbildung im Knochenmark
  - Symptomatische Behandlungen z. B. Aufdehnung von Stenosen durch Bougierung oder Einlage von Stents
  - Physiotherapie (speziell Atemtherapie bei Lungenkrebs)
- Alternative Behandlungsmethoden, unter anderem die Mistel-Therapie oder B17-Therapie. Beide sind umstritten. Tatsache ist aber, dass viele erfolgreiche Zytostatika (wie Vincristin) ursprünglich in Pflanzen gefunden wurden. Diese Zytostatika sind aber hochrein und hochkonzentriert und deshalb nicht mit "Kräutertee" oder ähnlichem zu vergleichen. Die unbefriedigende Heilungsrate bei bestimmten Tumorerkrankungen und die Nebenwirkungen der etablierten Behandlungmethoden lösen oft Ängste und Verzweiflung bei den Betroffenen und deren Angehörigen aus. Dies führt unter Umständen zur Hinwendung zu unkonventionellen Behandlungsarten, denen in vielen Fällen der Nachweis der Wirksamkeit fehlt, und deren Grundlagen meist einer naturwissenschaftlichen Überprüfung nicht standhalten. Einige von ihnen werden als »Wunderheilung« abgelehnt, andere hingegen als ergänzende Therapieverfahren auch von der Schulmedizin akzeptiert. Auch wenn - leider häufig - eine vollständige Heilung nicht erreicht werden kann, ist in Betracht zu ziehen, dass bei einem 75jährigen Krebspatienten eine Lebenszeitverlängerung von 1 oder 2 Jahren schon als ein sehr gutes Resultat zu betrachten ist (ältere Krebspatienten sterben oft an etwas anderem als am Krebs selber), während bei einer 45jährigen Brustkrebspatientin erst eine 10jährige Rückfallfreiheit als "sehr gut" bewertet wird - denn sie hat einen großen Teil ihres Lebens noch vor sich.

Grenzen der Behandlungsmethoden

Die derzeitige Heilungsrate bei Krebs liegt bei ca. 30 – 40 Prozent, wenn man alle verschiedenen Krebserkrankungen zusammenfasst. Solange eine Krebskrankheit örtlich begrenzt bleibt, sind die Heilungschancen besser, als wenn der Tumor sich bereits in mehreren Organen des Körpers ausgebreitet hat (z.B. Lungenkrebs metastasiert sehr schnell, während Prostatakrebs dies seltener tut). Die Schwierigkeit vieler Krebserkrankungen liegt allerdings darin, dass sie sehr spät erkannt werden - ein Tumor kann schon ab einem Volumen von unter 1 ml Metastasen produzieren, aber z.B. Brustkrebs kann mittels Selbstabtastung durch einen Laien erst ab dieser Größe erkannt werden. Ein Problem stellt mitunter die anatomische Zugänglichkeit der Tumoren für eine operative Entfernung dar, beispielsweise an der Speiseröhre. Auch sind die Symptome nicht immer leicht zu erkennen oder treten erst in fortgeschrittenem Stadium auf, weshalb Bauchspeicheldrüsenkrebs oftmals sehr spät erkannt wird. Krebskranke haben äußerst unterschiedliche Überlebenschancen - siehe die Aufstellung oben. Faktoren, die dazu beitragen sind
- findet Früherkennung statt? :- der Tumor muss bis auf eine gewisse Größe anwachsen, bis er vom Laien erkannt wird (etwa Brustkrebs)
- verschleppt der Patient die Erkrankung und geht erst spät zum Arzt? :- etwa bei untypischen Symptomen, wie etwa chronischer Husten bei Rauchern
- metastasiert der Tumor schnell? :- die Gefährlichkeit etwa des Lungenkrebses ist in der Tat die schnelle Metastasenbildung
- spricht der Tumor auf die Chemotherapie an? :- je nach Ursprungsgewebe des Tumors sind gewisse Wirkstoffklassen völlig oder fast unwirksam
- kann der Tumor überhaupt operiert werden? :- Eingriffe wie Entfernung eines Lungenbeutels kann die Überlebensquote der Patienten drastisch senken, also versucht man solche Operationen zu vermeiden

Krebsvorbeugung

Es sind nicht alle Faktoren bekannt, die die Krebsentstehung fördern oder hemmen. Um das Risiko einer Krebserkrankung zu vermindern, sollte ein Aussetzen des Körpers mit kanzerogenen Stoffen vermieden werden.

Früherkennung

Bei den meisten Krebserkrankungen ist die Früherkennung wichtig. Nur selten, wie beispielsweise beim Lungenkrebs, ist die Früherkennung bislang ineffektiv. Die Früherkennung ist primär Aufgabe jedes Menschen und nicht bloß des Arztes. Unbehandelt wächst der maligne Tumor solange, bis das Organ bzw. der Körper zerstört ist. Da die Gefahr einer Krebserkrankung für eine Bevölkerung schwankt und u. a. von neu aufkommenden Umweltgiften abhängt oder von der Eliminierung solcher Gifte durch Umweltschutzgesetze, sowie durch das Ernährungsverhalten und der Bereitschaft, sich vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen, aber auch durch das Sexualverhalten (Durchseuchung einer Bevölkerung mit möglicherweise krebserregenden Viren), muss für jede Generation und jedes Land immer aufs Neue das individuelle Krebsrisiko bestimmt werden. Je eher ein Krebs erkannt wird, desto besser die Heilungsaussichten. Es ließen sich mehr Krebskrankheiten heilen, wenn sie früher erkannt würden. Aber nicht jede Früherkennung bietet nur Vorteile (siehe auch Screening). Man tauscht ein Risiko gegen ein Bündel anderer Risiken, wie falsch-positive Befunde. Für Männer sind regelmäßige Untersuchungen des Arztes auf Blut im Stuhl und das Abtasten der Prostata wichtig, für Frauen ein Abstrich vom Gebärmutterhals (systematische Früherkennungsuntersuchung auf Gebärmutterhalskrebs) und Mammographie-Vorsorgeuntersuchungen (über 50 Jahren), wobei der in absoluten Zahlen geringe Nutzen der Mammographie mit dem Arzt besprochen sein sollte. Viele Krebserkrankungen werden vom Patienten selbst aufgrund von Veränderungen erkannt. Ein Arztbesuch ist empfehlenswert bei:
- ungewöhnlichen Schwellungen; Wunden, die nicht abheilen; Veränderung der Form, Größe oder Farbe eines Hautmal oder abnorme Blutungen
- chronischer Husten oder anhaltende Heiserkeit, eine Veränderung beim Stuhlgang oder beim Urinieren, oder einen unerklärlichen Gewichtsverlust
- Veränderungen beim regelmäßigen Abtasten der Brüste feststellen. Jede dieser Selbstuntersuchungen sind mit einem recht großen Fehlerrisiko behaftet. Knötchen in der Brust können gut harmlos sein, und andererseits können Laien bösartige Brusttumoren erst ertasten, wenn sie schon 1 ml Volumen haben - und mit großer Wahrscheinlichkeit schon metastasiert haben.

Anlaufstellen


- [http://www.krebsgesellschaft.de/ Deutsche Krebsgesellschaft e.V.]
- Der kostenlose und neutrale [http://www.krebsinformation.de/ Krebsinformationsdienst KID] des DKFZ in Heidelberg
- [http://www.krebshilfe.de/ Deutsche Krebshilfe e.V.]
- [http://www.krebsliga.ch/ Krebsliga Schweiz]
- [http://www.krebs-kompass.de/ Krebs-Kompass]

Literatur

Wissenschaftliche Literatur


- Krebs in Deutschland, Häufigkeiten und Trends, 4.Auflage 2004, herausgebeben von der Arbeitsgemeinschaft Bevölkerungsbezogener Krebsregister in Deutschland, Saarbrücken ( = Krebsatlas)
- Onkologie für Pflegeberufe, hrsg. v. Agnes Glaus, Walter F. Jungi u. Hans-Jörg Senn, Thieme flexible Taschenbücher, ISBN 3-13-620305-4. Sehr breite und vertiefte Übersicht über Krebserkrankungen; zum großen Teil auch für Laien verständlich.
- Checkliste Onkologie, Reihe begr. v. Felix Largiader, Alexander Sturm u.Otto Wicki; Von Hans-Jörg Senn, Peter Drings, Agnes Glaus, ISBN 3-13-685505-1
- The China Study, T. Colin Campbell PhD, ISBN 1-93-210038-5. Wissenschaftliche Studien zum Zusammenhang zwischen Ernährung und Krankheiten, besonders auch Krebs werden hier "populärwissenschaftlich" vorgestellt. Der Autor hat selbst einige Studien zu diesem Thema geleitet (z.B. die vermutlich größte Studie auf diesem Sektor, nämlich eben die China Study) und zeigt Zusammenhänge auf, welche in der Öffentlichkeit kaum bekannt sind. (englisch)

Sachbücher ohne wissenschaftlichen Anspruch


- Stamatiadis-Smidt, Zur Hausen (Hrsg): Thema Krebs. Fragen und Antworten DKFZ KID. Springer, Berlin. 440 Seiten. Neuauflage 1998 von Stamatiadis-Smidt, Sellschopp (1993). ISBN 3-540-64353-2 .
- Gisela Friebel: Gesundheit fast zum Nulltarif ISBN 3929960060
- Robert A. Weinberg: Krieg der Zellen ISBN 3426266423
- Sibylle Herbert: Überleben Glücksache ISBN 3502140022
- Pascale Gmür: Da ist der Krebs und rundherum mein Leben. Frauen reden über Krebs Zürich: Beobachter-Verlag. ISBN 3-85569-230-0

Siehe auch


- Deutsches Krebsforschungszentrum in Heidelberg - das führende dt. Zentrum mit angeschlossenem Klinikverbund
- Früherkennung von Krankheiten
- Krankheit
- Krebsregister
- Onkologie
- Screening
- Screening/Robodoc
- TNM-Klassifikation

Weblinks


- [http://www.medinfo.de/index.asp?r=570&thema=Krebs www.medinfo.de] - Infoleitsystem Medinfo – die besten Links zu Krebsthemen
- [http://www.krebs-webweiser.de www.krebs-webweiser.de] - Umfangreiche Linkliste, nach Themen geordnet
- [http://www.medsana.ch/artikel.php?id=818&box=1 www.medsana.ch] - Umfassende Erklärungen zum Thema Krebs und den einzelnen Krebsarten
- [http://www.inkanet.de www.inkanet.de] - Informationsnetz für Krebspatienten und deren Angehörige (Inka)
- [http://www.krebs-kompass.de www.krebs-kompass.de] - Mehrfach ausgezeichnete Selbsthilfeseite, Chat und Forum (Krebs-Kompass)
- [http://www.hvbg.de/d/bia/fac/kmr/ www.hvbg.de] - Liste der krebserzeugenden, erbgutverändernden oder fortpflanzungsgefährdenden Stoffe (KMR-Liste)
- [http://www.grid.org www.grid.org] - Cancer Research Project der Universität Oxford mit Hilfe von privaten Haushalten
- [http://www.nutritionj.com/content/3/1/19 www.nutritionj.com] - Nutrition and cancer: A review of the evidence for an anti-cancer diet (Originalarbeit in englischer Sprache) ! ja:悪性腫瘍 ko:암 ms:Penyakit Barah simple:Cancer th:มะเร็ง

Lunge

Die Lunge (lat. Pulmo, -onis m.) ist ein paariges Körperorgan, das der Atmung dient. Echte Lungen kommen bei fast allen luftatmenden Wirbeltieren einschließlich des Menschen vor. Sie entstehen embryonal als Ausstülpung des Vorderdarms. Die Amphibien (Amphibia) besitzen die einfachsten Lungen. Sie sind bei ihnen sackförmig und glattwandig oder nur schwach gekammert. Viel stärker gekammert sind sie bei den Kriechtieren (Reptilien). Bei Vögeln sind sie relativ klein, aber wegen der zusätzlich vorhandenen Luftsäcke auch viel komplizierter gebaut. Die Lungen der Säugetiere ähneln denen der Kriechtiere. Beim Menschen bestehen sie aus zwei Lungenflügeln, die links in zwei und rechts in drei Lungenlappen unterteilt sind. Die Lunge besitzt keine Muskulatur. Die Luft wird stattdessen durch die Rippen- und Zwerchfellmuskulatur eingesogen.

Aufbau der Lunge bei Säugetieren

Beide Lungen der Säugetiere, auch als Lungenflügel bezeichnet, sind beweglich im Brustraum (Thorax) eingebettet. Mehr oder weniger tiefe Einschnitte teilen die Lunge in Lungenlappen (Lobi). Die Oberfläche der Lungen ist von einer glatten Auskleidung (Serosa) überzogen, die in der Brusthöhle als Brustfell (Pleura) bezeichnet wird. Zwischen dem Brustfellüberzug der Lunge und der Brustfellauskleidung der Brusthöhle liegt ein Spaltraum, in dem ein Unterdruck herrscht. Er ist für die Atmung von großer Bedeutung. Bei einer Verletzung des Brustkorbs bricht dieser Unterdruck zusammen und die Lunge kollabiert (Pneumothorax).

Aufbau der menschlichen Lunge

Die menschlichen Lungen bestehen aus einer rechten Lunge (rechtem Lungenflügel, Pulmo dexter) und einer linken Lunge (linkem Lungenflügel, Pulmo sinister). Jeder Lungenflügel wird durch Furchen in sogenannte Lungenlappen unterteilt. Der rechte Lungenflügel teilt sich dabei in 3 Lappen auf (Lobus superior, Lobus medialis, Lobus inferior). Der linke Lungenflügel teilt sich in lediglich 2 Lappen (Lobus superior et inferior). Die Lungenlappen wiederum werden in 9/10 Segmente unterteilt. Die Bezeichnung erfolgt hier entsprechend der Zuordnung zum versorgenden Bronchialast. 10 Segmente finden sich in der rechten Lunge. Im linken Flügel fehlt das 7. Segment und gibt somit dem Herzen Raum. Sie liegen in der Brusthöhle (Cavitas thoracis). Oben überragt die Lungenspitze (Apex pulmonis) um etwa 3-4 cm das Schlüsselbein (Clavicula), unten liegt die Lunge dem Zwerchfell (Diaphragma) auf, dessen Lage sehr variabel ist und vorrangig von der Atemstellung und der Körperlage (im Liegen höher als im Sitzen) abhängt. Grob kann man sagen, dass in der Atemruhestellung die Lungenränder auf der Bauchseite (ventral) in Höhe der 6. Rippe, seitlich (auf der Subaxillar-Linie) in Höhe der 8. Rippe und auf der Rückenseite (dorsal) in Höhe der 10. Rippe zu liegen kommen. Dieser Unterschied angesichts der zu beobachtenden Körperseite ergibt sich aus dem Bogen, den die Rippen bilden. Die linke Lunge ist allgemein kleiner, weil ihr das Herz zum Gutteil aufliegt. Dadurch und bedingt durch die Aufspaltung der Luftröhre in die Hauptbronchien (Bifurcatio tracheae), sodass der linke Luftröhren-Bronchien-Winkel kleiner ist als der rechte, wird die rechte Lunge in der Regel besser belüftet.

Feinbau

Das Innere der Lunge ist durch ein luftführendes System von Röhren (Bronchien) gekennzeichnet, die in blind endenden Säckchen, den Lungenbläschen (Alveolen) enden. In seiner Gesamtheit wird es als Bronchialsystem (Bronchialbaum) bezeichnet (siehe dort). Zudem gibt es dazwischen Bindegewebe und die Aufzweigungen der Lungenarterien und -venen.

Atmung

Das Atmen beginnt bei der Einatmung (Inspiration) in der Regel mit der Interkostalmuskulatur bzw. dem Zwerchfell. Bei der Brustatmung kontrahieren sich die Musculi intercostales externi (äußere Zwischenrippenmuskeln). Dabei wird der Brustkorb angehoben und erweitert, wodurch die Lunge, die, selbst ausgekleidet mit der Pleura visceralis (oder pulmonalis), über den Pleuraspalt (Cavitas pleuralis) mit der Pleura parietalis des Bruskorbs in Verbindung steht, mitgedehnt wird. Dadurch sinkt der Druck in der Lunge. Nach der Druck-Volumen-Beziehung (Boyle-Mariottesches Gesetz) muss aber nun bei Änderungen des Drucks - sofern die Nasenlöcher bzw. der Mund offen sind und mit der Außenwelt in Verbindung stehen - das Volumen isoton (d.h. bei gleichem Druck) zunehmen. Die Lunge füllt sich, die Inspiration ist beendet. Bei der Zwerchfellatmung senkt sich das Zwerchfell lediglich durch Kontraktion (das Zwerchfell besteht aus Muskulatur) und bewirkt somit eine Dehnung der Lungenflügel nach unten. Die Ausatmung (Exspiration) geht zumeist passiv vonstatten, denn nach der Inspiration ist die Lunge samt Brustkorb so weit gedehnt, dass darin elastische Verformungsarbeit gespeichert ist (ähnlich einer Feder, die zunächst gespannt und dann losgelassen wird), die der Lunge die "verbrauchte" Luft austreibt. Erfolgt die Exspiration mit Gewalt, so spricht man von forcierter Exspiration. Dabei kontrahieren sich zunächst die Mm. intercostales interni, es können aber auch diverse andere Atemhilfsmuskeln zum Zuge kommen. Siehe auch: Lungenvolumen

Vogellunge

Im Gegensatz zur Säugetierlunge sind die Lungen der Vögel unbeweglich in den Brustraum eingebaut. Sie liegen dorsal einer Bindegewebsmembran (Septum horizontale). Das Brustfell wird zwar embryonal angelegt, bildet sich aber wieder zurück. Die Vogellunge ist nicht gelappt und vollzieht während der Atmung keine Volumenänderungen. An der Gabelung der Luftröhre (Trachea) teilt sich das luftleitende System in die beiden Stammbronchen. Hier liegt auch das Stimmorgan der Vögel, die Syrinx. Von den Stammbronchen gehen 4 Gruppen von Sekundärbronchien (medioventrale, mediodorsale, lateroventrale und laterodorsale). Die weiteren Aufzweigungen der laterodorsalen Bronchien bezeichnet man als Neopulmo. Von den Sekundärbronchien gehen Parabronchien (Lungenpfeifen) aus. Sie sind 0,5-2 mm dick. In ihrer Wand gibt es kleine trichterförmige Öffnungen, die in die Luftkapillaren (Pneumocapillares) führen. Die Luftkapillaren bilden ein Netzwerk meist untereinander kommunizierender Röhren und sind das eigentliche Austauschgewebe, um das dichte Blutkapillarnetze ausgebildet sind. Im Gegensatz zu den Säugetieren handelt es sich nicht um ein blind endenes System, sondern um ein offenes Röhrensystem. Nach Durchströmen der Lunge gelangt die Luft in die Luftsäcke, die wie Blasebälge für die Ventilation, also den Luftstrom sorgen.

Siehe auch


- Kieme
- Eiserne Lunge
- Pneumonologie
- Staublunge
- Atelektase
- Lungenkrebs
- Bronchialkarzinom
- Lunge (Lebensmittel)

Weblinks


- http://www.m-ww.de/krankheiten/atemwegserkrankungen/anatomie_lunge.html
- [http://www.ucsusa.org/animation/toxicair_lung.swf How poor air quality affects the respiratory system (engl.)] Hervorragende Flash-animierte Seite der [http://www.ucsusa.org/ Union of Concerned Scientists] zur Zerstörung der Lunge durch Ozon und Feinstaub Kategorie:Atmungsapparat ja:肺 ms:Paru-paru

Diagnose

Die Diagnose (v. griech.: διάγνωση diágnossi = (wörtlich in etwa) die Durchforschung; aus δια~ dia~ = durch~ + gnosein = kennen(lernen)) ist der Vorgang der Erkenntnisgewinnung durch die Zuordnung eines Phänomens oder einer Gruppe von Phänomenen zu einer Kategorie. Auch das Resultat einer solchen Klassifizierung bezeichnet man als Diagnose. Am häufigsten wird der Begriff in der Medizin verwendet, wo er die Erkennung einer Krankheit oder Verletzung (Kategorie) aufgrund von Symptomen und/oder Zeichen (Phänomenen) bezeichnet. Dabei wendet der Diagnostiker intuitiv oder explizit das Bayes-Theorem an. Die Methoden der Diagnose (z.B. klinische Untersuchung, Bildgebung wie Röntgenaufnahmen, Laborwerte) werden in der Diagnostik (adjektivische Wortform) zusammengefasst. Die Auswahl möglicher Diagnosen bezeichnet man als Differenzialdiagnose. Durch das diagnostische Vorgehen wird sie eingeschränkt, bis eine ausreichende Basis für die Entscheidung über eine Therapie besteht.

Differenzialdiagnose

Als Differenzialdiagnose bezeichnet man die Gesamtheit aller Diagnosen, die als Erklärung für ein Symptom, ein Krankheitszeichen oder eine Kombination derselben wahrscheinlich oder möglich sind. Eine eindeutige Diagnose wird gestellt, indem durch weitere Diagnostik alle anderen in Frage kommenden Diagnosen ausgeschlossen werden. Im praktischen Vorgehen schließt man gewöhnlich zuerst solche Diagnosen aus, die für den Patienten akut lebensbedrohlich wären. Anschließend richtet sich die Auswahl weiterer diagnostischer Maßnahmen nach der Wahrscheinlichkeit, Therapierbarkeit und Bedrohlichkeit der auszuschließenden Diagnosen und dem mit der Maßnahme verbundenen Aufwand und Risiko. Der Vorgang endet, wenn nur noch eine Diagnose in Frage kommt. Häufig wird der Vorgang aber vorher abgebrochen, und zwar vernünftigerweise dann, wenn die verbleibende Differenzialdiagnose nur noch Entitäten enthält, die entweder
- nicht therapierbar sind
- nicht therapiebedürftig sind oder
- alle die gleiche (dann oft symptomatische) Therapie nahelegen.

Methoden

Die wichtigsten diagnostischen Methoden in der Medizin sind:
- Anamnese = Krankengeschichte, Befragung des Patienten
- Körperliche Untersuchung des Patienten unter Einsatz der Sinne und einfacher Hilfsmittel, vor allem durch
  - Inspektion
  - Palpation
  - Perkussion
  - Auskultation
- Labordiagnostik = Untersuchung von Blut, Urin etc.
- Gewebs- und Zelldiagnostik = Histologie, Zytologie
- Bildgebende Verfahren ohne und mit Kontrastmittel
  - Sonografie
  - Endoskopie
  - Röntgen
  - CT
  - MRT
  - Nuklearmedizinische Bildgebung
- EKG, EEG, EMG, ENG = Messung von elektrischen Feldern des Körpers
- Funktionsuntersuchungen
  - Lungenfunktion
  - Druckmessungen in Gefäßen, Schließmuskeln etc.
  - Reflexuntersuchung
  - Provokations- und Belastungstests
    - Leistungstests
    - Glukose-Toleranztest Die medizinischen Untersuchungsmethoden sind in den meisten Fällen hinreichend, um Krankheiten genau zu erkennen oder zumindest einzugrenzen. Dies gilt vor allem für Krankheiten mit lebensbedrohlichen Konsequenzen. Trotzdem stellen sich in der medizinischen Diagnostik Herausforderungen: Viele Diagnosen müssen in Eile gestellt werden. Die Sinnhaftigkeit einer diagnostischen Maßnahme muss dennoch sorgfältig abgewogen werden: Der erwartete Nutzen muss dem Risiko, den Kosten und der Beeinträchtigung des Patienten gegenüber gestellt werden. Grundsätzlich ist Diagnostik nur nützlich, wenn die Diagnose Konsequenzen für die Behandlung des Patienten hat. Nur in seltenen Fällen ist eine diagnostische Maßnahme "um der Gewissheit Willen" berechtigt. Die Maßnahme muss in diesen Fällen als Therapie gesehen werden. Ob die Diagnostik ihr Ziel erreicht, hängt auch von der Qualität der Definition der zugrundeliegenden Kategorien ab. Einer wohldefinierten Kategorie (zum Beispiel Knochenbruch am Unterarm) lässt sich ein Krankheitsbild anhand weniger Kriterien (Sturz in der Anamnese, Schmerzen, Funktionsausfall des betroffenen Arms, Diskontinuität des Knochens im Röntgenbild) zuordnen und damit einer adäquaten Therapie zuführen (Gipsschiene). Bei Krankheiten, deren Kategorien weniger scharf definiert, umstritten oder komplex sind, ist das Risiko einer Fehldiagnose und damit einer Fehlbehandlung größer. Dieses Problem betrifft vor allem die Psychiatrie. Insbesondere die Persönlichkeitsstörungen sind hier problematische Kategorien. Gewöhnlich muss die Aussagekraft eines Diagnoseverfahrens einer Überprüfung nach wissenschaftlicher Methode standhalten können, um von der Hochschulmedizin als anerkannt zu gelten (siehe auch: Evidenzbasierte Medizin). Dennoch werden, vor allem außerhalb von Krankenhäusern und Arztpraxen, oft Methoden eingesetzt, die diese Forderung nicht erfüllen. Siehe hierzu: Alternativmedizin, Naturheilkunde.

Weitere Bedeutungen

In der Informatik stellt die Diagnose einen Bereich der Künstlichen Intelligenz dar. Die Diagnose beschäftigt sich mit der Erfassung und Auswertung von Symptomen. Das Ergebnis ist eine Diagnose oder Lösung eines Problems. Methoden der Diagnose ist die fallbasierte Diagnose oder die modellbasierte Diagnose.

Siehe auch


- Pflegerische Diagnostik
- psychologische Diagnostik
- Diagnostischer_Block

Weblinks


- [http://www.dimdi.de/de/klassi/diagnosen/icd10/htmlgm2005/fr-icd.htm www.dimdi.de] - Übersetzungshilfe für Diagnosen: ICD10 ! Kategorie:Allgemeinmedizin als:Diagnostik simple:Diagnosis

Tabakrauchen

Unter Tabakrauchen (verkürzt: Rauchen) versteht man das Inhalieren von Rauch, der durch das Verbrennen von tabakhaltigen Artikeln (z. B. Zigaretten, Zigarillos, Schischas) entsteht. Zigarren, Pfeifen usw. werden eigentlich "gepafft". Doch umgangssprachlich wird auch hier oft vom Rauchen gesprochen. Der Übergang ist fließend, manchmal wird der Tabakrauch von Wasserpfeifen oder Zigarillos gepafft, manchmal inhaliert. Das Rauchen war in verschiedenen altamerikanischen Kulturen schon lange üblich und wurde dort in erster Linie rituell betrieben, es gelangte nach der „Entdeckung“ Amerikas durch Columbus auch nach Europa, wo zuvor bereits einige andere Pflanzen geraucht worden sein sollen, so z. B. der Lavendel. Tabak wurde in Europa zunächst durch die Nase geraucht. Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die starke Gesundheitsschädlichkeit allgemein bekannt.

Gesundheitsschädigung

Die Gesundheitsgefahren durch Rauchen sind sowohl epidemiologisch als auch durch biochemisch-molekularbiologische Untersuchungen zweifelsfrei belegt. Tabakrauch enthält einige tausend Stoffe, von denen viele, wie das Benzol, bereits für sich genommen krebserregend sind. Das im Tabakrauch enthaltene Benzo(a)-pyren schädigt das für die Krebsabwehr zuständige Gen p53. Tabakrauchen ist unter anderem ein gesicherter Risikofaktor für
- Lungenkrebs
- Rachen-, Kehlkopf- und Speiseröhrenkrebs
- Magenkrebs
- Nieren- und Blasenkrebs
- Bauchspeicheldrüsenkrebs und chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)
- koronare Herzkrankheit und den daraus resultierenden Herzinfarkt
- das Auftreten von Aneurysmata (lokale Aussackungen der Blutgefäße mit der Gefahr des Reißens und daraus resultierender innerer Blutungen)
- Schlaganfall
- Gefäßverstopfungen in den Extremitäten (periphere arterielle Verschlusskrankheit), umgangssprachlich Raucherbein oder Schaufensterkrankheit genannt, sowie das Winiwarter-Buerger-Syndrom (Thrombangiitis obliterans), eine seltene, meist bei jungen männlichen Rauchern auftretende Gefäßentzündung.
- Leberzirrhose
- Chronisch obstruktive Lungenkrankheit ("Raucherhusten"), Lungenemphysem, chronische Bronchitis und andere Lungenerkrankungen
- Magen-Darm-Geschwüre
- erektile Dysfunktion (Potenzstörungen bis hin zur Impotenz)
- chronischen Zahnfleischschwund (Parodontitis) und andere Zahnfleischerkrankungen
- vorzeitige Hautalterung Hinsichtlich des relativ erhöhten Risikos führen die Krebserkrankungen, gefolgt von den Magen- und Darm-Geschwüren, den chronischen Lungenerkrankungen, der Leberzirrhose und den Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Mit Abstand an erster Stelle steht der Lungenkrebs: 90% der Lungenkrebspatienten, aber je nach Altersgruppe, Geschlecht und Population nur ca. 25-35% der Normalbevölkerung sind Raucher. Was dagegen die absolute Häufigkeit als Todesursache angeht, stehen Herz-Kreislauf-Erkrankungen noch vor den Krebserkrankungen. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Rauchern ist im Vergleich zu Nichtrauchern um etwa zehn Jahre geringer. Allein in Deutschland sterben jedes Jahr über 110.000 Menschen an den Folgen des Rauchens - jeden Tag über 300. Studien, die Hinweise auf einen möglichen Schutz vor Alzheimer und anderen Demenzerkrankungen durch das Rauchen ergeben hatten, gelten mittlerweile als widerlegt.

Extrem schnelle Suchtentwicklung

Das im Tabak gebundene Nikotin kann bereits nach 2-3 Zigaretten, also extrem schnell zu einer Nikotinsucht führen. Dem Tabak beigegebene Stoffe wie Ammoniak und Menthol beschleunigen das Anfluten des Nikotins im Blut, dämpfen den Hustenreiz und betäuben die schmerzenden Atemwege. Zuckerstoffe und Kakao nehmen dem Rauch Schärfe, durch das mildere Rauchgefühl wird es vor allem für Kinder einfacher, den Rauch zu inhalieren. Viele Kritiker behaupten, die Tabakindustrie wolle durch die Beimengung dieser Stoffe gezielt Kinder und Jugendliche zum Rauchen verleiten.

Feinstaub

Durch Zigarettenrauchen entsteht Feinstaub, der besonders in geschlossenen Räumen eine hohe Konzentration erreichen kann. Da diese Feinstäube als krebserregend (karzinogen) gelten, geht von ihnen eine besondere Gesundheitsgefährdung aus. Beim Rauchen von Filterzigaretten werden feinste Staubpartikel aus dem Filter mitinhaliert.

Lebenserwartung sinkt

Die durchschnittliche Lebenserwartung von Rauchern ist im Vergleich zu Nichtrauchern um etwa sechs bis zehn Jahre niedriger. Zu solchen Erkenntnissen gelangt man mit Hilfe von ausgefeilten statistischen Methoden, zum Beispiel mit sogenannten Statistischen Zwillingen. Statistische Zwillinge sind Personen, die aus einer großen Zahl von Probanden ausgewählt worden sind, weil 25 Faktoren, die gesundheitliche Bedeutung haben, bei ihnen übereinstimmen. Dazu gehörten Alter, Geschlecht, Familienstand, Größe und Gewicht, Vorerkrankungen, erbliche Disposition für Krebs, aber auch Erziehung und Religion, Stadtwohnung oder Landwohnung, schließlich selbst Abstammung und Nationalität. In dem zu prüfenden Faktor aber stimmten sie nicht überein: die einen rauchten, die anderen nicht. Hammond hat 36.975 derartige statistische Zwillingspaare im Alter zwischen 40 und über 80 Jahren über einige Jahre untersucht. Am Ende der Beobachtungszeit waren 1.385 Raucher, aber nur 662 Nichtraucher gestorben, das ist ein Verhältnis von mehr als 2 : 1. Von den Nichtrauchern starben 12 an Lungenkrebs, von den Rauchern hingegen 110 (Public Health, 1161-1187, Mai 1964). In Deutschland starben im Jahr 2003 40.865 Menschen infolge solcher Erkrankungen, die auf den Konsum von Tabak zurückgeführt werden konnten (ApothekenUmschau 01.09.2005, S. 51).

Radioaktivität

Eine weitere Gefahr für die Gesundheit geht von radioaktiven Isotopen aus, die deswegen im Zigarettenrauch enthalten sind, weil die Blätter der Tabakpflanze Trichome mit einem Durchmesser und einer Struktur besitzen, die mit radioaktiven Isotopen besetzte Staubteilchen besonders gut aus der Luft herausfiltern. Einige Wissenschaftler vertreten die Meinung, dass eine Strahlendosis von 80 rem (800 mSv), die ihres Erachtens ein durchschnittlicher Raucher in zehn Jahren aufnehmen soll, zu bösartigen Tumoren führen könne. Für die Bevölkerung ist ein Grenzwert von 1 mSv pro Jahr gesetzlich festgelegt.

Passivrauchen

Das Passivrauchen von Tabakqualm stellt eine ernsthafte Gefährdung der Gesundheit dar. Der Aufenthalt von 3-4 Stunden Dauer in einem von Zigarettenqualm gefüllten geschlossenen Raum (wie z.B. in Discotheken oder Kneipen) entspricht dem "aktiven" Rauchen von 4-9 Zigaretten, was mit der Giftigkeit des Nebenstromrauchs im Gegensatz zum vom Raucher ein- und ausgeatmeten Hauptstromrauch zusammenhängt. Daher haben in den letzten Jahren immer mehr Staaten Rauchverbote für Restaurants und öffentliche Gebäude erlassen. Kinder, die in einem Haushalt aufwachsen, in dem ein oder beide Elternteile rauchen, sind als Kind statistisch gesehen häufiger krank und haben ein höheres Krebsrisiko. Auch intensives Lüften oder die Einrichtung eines Raucherzimmers können an diesem Problem nichts ändern, da Schadstoffe auch dann noch lange in der Raumluft verbleiben können. Untersuchungen zeigen zudem, dass Kinder rauchender Eltern später häufiger selbst rauchen als Kinder, deren Eltern Nichtraucher sind.

Rauchen in der Schwangerschaft

Rauchen in der Schwangerschaft gefährdet den Embryo bzw. Fötus, da die von der Mutter eingeatmeten Giftstoffe über den Blutkreislauf in den kindlichen Organismus gelangen. Durch das Rauchen werden auch die Blutgefäße der Plazenta verengt und somit wird die Sauerstoffversorgung des Kindes beeinträchtigt. Die Folge ist ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen, Mangelentwicklung und Frühgeburtlichkeit. Die Geburtsgewichte von Babys rauchender Mütter sind im Durchschnitt deutlich niedriger als die von Babys, deren Mütter nicht rauchen. (Nichtraucher: 11% unter 2.500 g; bis 10 Zigaretten pro Tag: 17% unter 2.500 g; >20 Zigaretten pro Tag: 25% unter 2.500 g). Auch eine Risikoerhöhung für genetische Abweichungen ist mittlerweile nachgewiesen. Die Fehlbildungsrate steigt mit dem Zigarettenrauchen von Mutter und Vater über den Durchschnitt. Neueren Studien zufolge (siehe Links) ist auch eine Schädigung der Chromosomen des Kindes durch den Nikotinkonsum der Schwangeren möglich. Die Erhöhung des Risikos, dass Kinder, deren Mütter Nikotin während der Schwangerschaft geraucht haben, öfter an Leukämie erkranken, wird noch untersucht. Erwiesen ist die erhöhte Anfälligkeit der Kinder rauchender Mütter für Allergie-, Bronchitis- und Asthmaerkrankungen sowie für Mittelohrentzündungen (2 bis 3 mal häufiger als im Durchschnitt). Im Schulalter sind Kinder aus Raucherhaushalten häufiger übergewichtig und verhaltensauffällig. Rauchen der Mutter bzw. Eltern während der Schwangerschaft schädigt nach den neuesten Untersuchungen US-amerikanischer Forscher sogar die Gesundheit von deren Enkelkindern [http://www.3sat.de/nano/news/78173/index.html (Quelle)].

Sozialer Status des Rauchens

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war das Rauchen sozial weitgehend akzeptiert und als Mittel zum Ausdruck von gesellschaftlichem Rang, Gelassenheit und Überlegenheit positiv besetzt. Hiervon zeugten soziale Gepflogenheiten wie der in gehobenen bürgerlichen Kreisen und im Adel bis in das 20. Jahrhundert hinein herrschende Brauch, dass sich die anwesenden Männer nach einem Essen in Gesellschaft geschlossen in das Rauchzimmer (das oft zugleich die Hausbibliothek beherbergte) begaben, um dort im Tabakrauch über Politik und Weltgeschehen zu diskutieren. Die dabei getragene Anzugsjacke wurde als Smoking weltbekannt. Aus der allgemeinen Akzeptanz und Praxis des Rauchens erwuchs immer wieder ein Zwang, „dazu zu gehören“. Mit der zunehmenden Verbreitung der medizinischen Erkenntnisse über die gesundheitsschädlichen Folgen des Rauchens hat sich die allgemeine Einschätzung des Rauchens jedoch stark zum Negativen hin gewendet. Personen des öffentlichen Lebens vermeiden es heute meist, sich öffentlich zum Rauchen zu bekennen. Die Aufnahme der medizinischen Erkenntnisse und die individuelle Entscheidung, daraus persönliche Konsequenzen zu ziehen, also nicht zu rauchen, steigt mit dem Bildungsniveau. Entsprechend ist der Anteil von Rauchern in gut ausgebildeten Schichten deutlich niedriger als in schlecht ausgebildeten Schichten. Die Weltgesundheitsorganisation berichtet 2004, dass in China unter Menschen ohne Schulbildung siebenmal häufiger Raucher anzutreffen sind als unter Menschen mit College-Abschluss. In Deutschland beträgt laut einer 2004 veröffentlichten Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) Heidelberg der Raucheranteil unter Männern mit einem Einkommen von weniger als 730 € im Monat 43%; bei Männern mit einem Einkommen oberhalb dieser Schwelle liegt der Anteil nur bei 23%. Von Personen, die einfache, angelernte Tätigkeiten ausüben, rauchen etwa 50%. Der Anteil der Raucher in der Gruppe der Ärzte, Gymnasial- und Hochschullehrer liegt dagegen bei nur 15%. In der Gruppe der 18 bis 19-Jährigen mit Hauptschulabschluss liegt der Anteil der Raucher bei 64%; bei gleichaltrigen Abiturienten beträgt der Anteil lediglich 39%. In einer weiteren Studie zur gesundheitlichen Situation von Jugendlichen, die Anfang Juni 2004 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlicht und in Deutschland von der Universität Bielefeld betreut wurde, werden deutsche Jugendliche als „Europameister“ beim Rauchen bezeichnet: Der Studie zufolge, der in Deutschland Befragungen von 5600 Jugendlichen zugrundeliegen, geben 25% der 15-jährigen Jungen und 27% der gleichaltrigen Mädchen an, täglich zu rauchen. Die Studie zeigt einen Zusammenhang auf zwischen diesem Befund und Indizien für geringe Lebenszufriedenheit, eine negative gesundheitliche Selbsteinschätzung und geringen Schulerfolg der rauchenden Jugendlichen. In der Schweiz liegt der Anteil der Raucher 2002 bei den 15- bis 24-jährigen Männern bei 39.9 Prozent und bei den Frauen 34.8 Prozent. Rauchfetischismus bedeutet, dass Leute es sexuell erregend finden, anderen beim Rauchen zuzusehen oder selbst zu rauchen.

Wie wird man Raucher?

Wer über längere Zeit einer kleinen sozialen Gruppe angehört, in der die meisten Mitglieder rauchen (z. B. Wohngemeinschaft, Clique), hat erhöhte Chancen, selbst Raucher zu werden. Auch Partnerschaften zweier Menschen, bei denen beide nur gelegentlich rauchen, können zu einer Steigerung des Rauchens führen, weil es in einer Partnerschaft mehr Gelegenheiten gibt, gemeinsam zu rauchen. Bedeutsam für den Einstieg ins Rauchen können nach Einschätzung von Experten auch Vorbilder sein, etwa rauchende Schauspieler, Musiker und Sänger, die oft Idole besonders für Jugendliche sind. Viele Wissenschaftler teilen die Meinung, dass dies eine der Hauptursachen für das Rauchen sei. Als weiteren Hauptgrund für das Nichtloskommen von der Sucht wird ein gewisse Mythos gesehen, der dem Tabakrauch sehr viele positive Eigenschaften zuschreibt wie etwa in Stresssituationen zu helfen. Allerdings rühre dieser Effekt daher, dass Raucher unter einem "chronischen" Entzug leiden, sobald dieser gelindert werde, empfände der Raucher das als Stressminderung in angespannten Situationen, was es objektiv auch ist, Raucher bekämpfen also durch Nikotinentzug entstehenden Stress mit Nikotin, das wiederum Stress durch Entzug erzeugt. Das Rauchen der eigenen Eltern kann sich in zwei Richtungen auswirken. Während die einen Raucherkinder durch die Abhängigkeit ihrer Eltern eine Selbstverständlichkeit des Rauchens vermittelt bekommen, die dazu führt, dass sie keine Hemmungen beim Rauchen haben, kann das bewusste Ablehnen dessen auch dazu führen, dass das Kind ein überzeugter Nichtraucher wird. Für die schnelle Suchtentwicklung schon nach nur wenigen gerauchten Zigaretten ist das Nervengift Nikotin verantwortlich, welches aufgrund seiner chemischen Ähnlichkeit zu Acetylcholin sowie seiner Fähigkeit, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden, an den Acetylcholinrezeptoren der Nervenzellen des Gehirns andocken kann. Dadurch werden die Ausschüttung mehrerer Neurotransmitter wie Dopamin, Serotonin, Noradrenalin und Endorphinen induziert und das dopaminerge Belohnungssystem beeinflusst. Nikotin führt dadurch unmittelbar zu einer Verbesserung von Hirnleistungen wie Gedächnis und Aufmerksamkeit, während es gleichzeitig über die Freisetzung von Katecholaminen dem Belohnungssystem das Gefühl vermittelt, etwas Richtiges getan zu haben. Schon nach wenig Nikotinkonsum kommt es zu einer Toleranzentwicklung, so dass die Nikotinzufuhr gesteigert werden muss, um den gewohnten Effekt zu erzielen. Auf diese Weise entsteht sehr schnell eine starke psychische und körperliche Abhängigkeit. Da Nikotin gleichzeitig anspannende und entspannende Wirkungen vermittelt, wirkt es nur bei Rauchern entspannend, die es benötigen, um den durch die körperlichen Entzugssymptome des Nikotins hervorgerufenen Stress zu beseitigen. Raucher kompensieren also Stress mit Nikotin, der ohne die Sucht danach gar nicht vorhanden wäre.

Statistiken

Jugendliche Raucher

In Deutschland liegt der Anteil der jugendlichen Raucher beim vergleichsweise hohen Niveau von etwa 30 Prozent, in Kalifornien im Gegensatz dazu bei nur ungefähr 8 Prozent. Im Vergleich mit anderen Altersgruppen ist der Anteil der Raucher in der Altersgruppe der 15- bis 24-jährigen in der Schweiz am höchsten. Er liegt bei rund 38 Prozent. Das durchschnittliche Einstiegsalter für das Zigarettenrauchen in Deutschland liegt laut neuesten Studien bei 11,6 Jahren.

Zigarettenjahresverbrauch pro Einwohner in Deutschland

Bundesrepublik
- 1965: 1.619 Stück
- 1970: 1.921 Stück
- 1975: 2.042 Stück
- 1980: 2.085 Stück
- 2005: 1.392 Stück

Anteil der Raucher an der Gesamtbevölkerung

Der Anteil der Raucher an der Bevölkerung (Alter über 15 Jahre) der jeweiligen europäischen Länder (Quelle: Europäische Kommission, 1999; Schweiz: BfS, 2002):

Werbung

Ein nicht zu unterschätzender Einfluss auf die Entscheidung, Raucher zu werden, kommt der Tabakwerbung zu. Dabei versucht die Tabakwerbung der letzten Jahre verstärkt, bisher weniger beachtete Gruppen gezielt anzusprechen. Der dramatische Anstieg der Lungenkrebstodesfälle bei Frauen um die Wende zum 21. Jahrhundert wird von Kritikern in einen Zusammenhang mit der Tatsache gebracht, dass in der Tabakwerbung verstärkt auf die Wünsche und Sehnsüchte junger Frauen angespielt werde. Im deutschen Funk und Fernsehen dürfen jedoch Zigaretten seit Jahrzehnten nicht mehr beworben werden. In den nächsten Jahren soll ein EU-weites Werbeverbot für Zeitungen und Zeitschriften greifen, das allerdings nur offizielle Tabakwerbung verbietet. Unter anderem betroffen sein wird auch das Sponsoring von Formel-1-Rennen. Die Bundesregierung, sowohl die Kohl- als auch die Schröder-Regierung, ist in Brüssel mehrmals vergeblich gegen das Werbeverbot zu Felde gezogen.

Entwöhnung

Fast jeder Raucher wünscht sich mehr als einmal, mit dem Rauchen aufhören zu könnnen. Es gibt viele Methoden, sich das Rauchen abzugewöhnen. Viele versuchen mit Präparaten wie nikotinhaltigen Kaugummis, Bonbons oder Tropfen das Nikotin auf anderem Wege als über die Lunge dem Körper zuzuführen und die Dosis dann im Laufe der Zeit so zu reduzieren, bis sie es gar nicht mehr brauchen. Eine weitere Möglichkeit sind spezielle Pflaster, die eine fest definierte Dosis über mehrere Stunden verteilt über die Haut an den Körper abgeben. Der Erfolg dieser Methoden hängt jedoch von der Bereitschaft des Rauchers ab, mit dem Rauchen auch tatsächlich aufhören zu wollen, denn die psychische Abhängigkeit ist als erlerntes Verhalten ein komplexes Problem und für die Langzeit-Prognose wichtiger als die geringer ausgeprägte körperliche Abhängigkeit, gegen welche sich die genannten Hilfsmittel richten. Rauchern, die zu solchen unterstützenden Maßnahmen greifen, gelingt es deutlich seltener, letztlich dauerhaft abstinent zu bleiben als solchen, die einen plötzlichen Kalten Entzug (also ohne Dosisreduktion und ohne Nikotinersatzmittel) durchführen. Auch Methoden mit unterstützender Akupunktur oder Hypnose werden oft angeboten, deren Erfolg ist jedoch nicht vielversprechender als eine normale Entwöhnung. Sehr viel erfolgreicher sind hingegen Radikalmethoden, bei welchen der Raucher von einem Moment zum anderen mit dem Rauchen aufhört. Nichtraucher zu sein heißt ganz einfach nicht zu Rauchen. Dies erfordert einen starken Willen und einiges an Disziplin. Der körperliche Entzug ist nach wenigen Tagen der Abstinenz bereits abgeschlossen, auch wenn die Normalisierung der verschiedenen durch Toleranzentwicklung veränderten Rezeptorendichten (über Up- und Down-Regulation) im Nervensystem nach längerer Nikotinabhängigkeit mindestens vier Wochen dauert, da Rezeptoren komplexe, fest an Zellstrukturen verankerte Moleküle sind und nur langsam auf- und abgebaut werden. Nur eine einzige Zigarette kann eine mehrwöchige Entwöhnungsphase wieder komplett zunichte machen. Die Dauer der Entwöhnung von der psychischen Abhängigkeit (aus verhaltenstherapeutischer Sicht muss die Sucht wieder verlernt werden) hängt von der jeweiligen Person, der Dauer der Abhängigkeit und den ehemaligen Rauchgewohnheiten ab. In der Regel hat man nach sechs Wochen bereits ein deutliche geringeres Risiko für einen Rückfall, frühestens nach sechs Monaten kann man jedoch von einer erfolgreichen Entwöhnung sprechen. Einige der zahlreichen Gifte im inhalierten Tabakrauch sollen so langsam verstoffwechselt werden, dass es mehr als 30 Jahre dauern könne, bis der Körper diese vollständig abgebaut habe. Allerdings ist auch nach langjährigem intensiven Rauchen bei Abstinenz schon nach relativ kurzer Zeit eine deutliche Risikoreduktion für die Erkrankungen der Herzkranzgefäße, den Herzinfarkt und den Schlaganfall zu beobachten, welche zahlenmäßig noch vor den Krebserkrankungen die wichtigsten Schädigungen sind. Für ein Zurückgehen der Krebsneuerkrankungen nach Entwöhnung gibt es dagegen nicht so eindeutige Hinweise, wobei allgemein auch hier ein sinkendes Risiko anzunehmen ist. Bei den meisten ehemaligen Rauchern ist nach erfolgreicher Entwöhnung eine leichte Gewichtszunahme festzustellen. Dies liegt weniger an veränderten Essgewohnheiten als an der Umstellung des Stoffwechsels durch das Nichtrauchen.

Politische Maßnahmen gegen das Rauchen

Durch EU-Gesundheitsminister wurden innerhalb der EU auf den Zigarettenpackungen größere und dringendere Warnhinweise wie etwa „Rauchen kann tödlich sein“, „Rauchen lässt Ihre Haut altern“ oder auch „Rauchen kann zu einem langsamen und schmerzhaften Tod führen“ eingeführt. Für die Zukunft sind auch Bilder von Raucherlungen und Tumoren geplant, von denen man sich eine abschreckende Wirkung erhofft. Ein weiteres politisches Instrument zur Eindämmung des Rauchens ist die Tabaksteuer.

Verbote des Tabakrauchens

Seitdem die gesundheitsschädlichen Wirkungen des Rauchens medizinisch erwiesen sind, gab es in verschiedenen Ländern immer wieder und mit steigender Tendenz Appelle an politische Entscheidungsträger, von staatlicher Seite dem Rauchen entgegenzuwirken. Als übergeordnete Gründe derartiger Appelle stehen die Aufforderung an den Staat, einer gesundheitlichen Fürsorgepflicht gegenüber den Bürgern zu genügen sowie der Hinweis auf den durch die gesundheitlichen Folgen verursachten volkswirtschaftlichen Schaden im Vordergrund. Der Staat seinerseits tut sich häufig schwer mit derartigen Forderungen, da er sich in einem Dilemma befindet: Einerseits lockt die Vorstellung, sich als fürsorglicher Schützer der Volksgesundheit zu profilieren; andererseits ist der Staat an fortgesetztem Tabakkonsum der Bürger interessiert, weil die Einnahmen aus der Tabaksteuer eine wichtige staatliche Einnahmequelle darstellen. Volkswirte schätzen die Kosten des Rauchens allein für die Gesundheitssysteme jedoch auf ein Vielfaches, so dass die Netto-Tabaksteuereinnahmen die Kosten möglicherweise nicht ausgleichen können. Als eine der ersten staatlichen Reaktionen auf die Forderung nach Eindämmung des Rauchens ist die in Frankreich in den 1990er Jahren erlassene Regelung zu sehen, wonach in Restaurants rauchfreie Zonen einzurichten sind (was in der Praxis allerdings zumeist ignoriert wird). In zunehmendem Maße geraten auch in den USA die Raucher unter Druck, wobei dort in der Regel kommunale Verordnungen vorschreiben, inwieweit das Rauchen toleriert wird oder nicht. Hier sind bereits Fälle bekannt, wo in einer Kommune das Rauchen in der Öffentlichkeit (also auch auf öffentlichen Straßen und Plätzen) generell verboten wurde. In New York City wurde 2003 das Rauchen in Restaurants verboten. Zugleich gelten hier extrem hohe Zigarettenpreise. Als weltweit erstes Land führte das im Himalaya gelegene Königreich Bhutan am 17. Dezember 2004 ein landesweit gültiges Rauchverbot ein. Das Verbot umfasst den Verkauf von Tabakwaren und das Rauchen in der Öffentlichkeit. Als Begründung wurde von Seiten der Regierung der Schutz von Umwelt und Gesundheit sowie die Bewahrung der Kultur des Landes genannt. Als erstes EU-Land führte die Republik Irland im Jahr 2004 ein totales Rauchverbot in öffentlichen Einrichtungen ein. Betroffen waren in erster Linie die 10.000 Pubs des Landes. Bis zu 400 amtlich bestellte Kontrolleure überwachen die Einhaltung. Den Besitzern von Kneipen, Bars und Restaurants sowie allen anderen Arbeitgebern drohen Geldstrafen von bis zu 3000 €, wenn in ihren Einrichtungen gegen das Gesetz verstoßen wird. Die Regionalregierung Schottlands hat eine ähnliche Regelung beschlossen, die im Frühjahr 2006 in Kraft treten soll. Auch in Italien wurde 2005 ein Rauchverbot in Restaurants eingeführt. Die spanische Bezirksregierung auf Mallorca droht seit dem selben Jahr den Betreibern von Lokalen, in welchen auch Speisen angeboten werden, eine Geldstrafe von 50.000 € und die Schließung des Lokals an, wenn diese im Innenbereich auch nur einen einzigen Aschenbecher auf dem Tisch stehen haben. Ausgenommen sind Diskotheken und Bars in welchen ausschließlich Getränke angeboten werden. In der Schweiz gilt ab Dezember 2005 generelles Rauchverbot in öffentlichen Verkehrsmitteln wie Eisenbahnen oder Schiffen. In einigen Kantonen gibt es zusätzliche gesetzliche Verbote. Bei verschiedenen christlichen Gruppen ist das Rauchen verpönt oder sogar ganz untersagt. Dazu gehören die Adventisten sowie die Zeugen Jehovas. Begründet wird diese Einstellung unter anderem mit Anweisungen aus der Bibel, zum Beispiel 1. Korintherbrief 3, 16+17: Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid, und dass der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes verderbt, den wird Gott verderben; denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr. (Zitiert nach der Schlachter-Bibel, Ausgabe 2000)

Siehe auch


- Weltnichtrauchertag
- Passivrauchen
- Nichtraucherschutz
- Nikotinsucht
- Rauchverbot

Weblinks


- [http://www.rauchfrei.de/ Nichtraucher Portal Rauchfrei.de]
- [http://www.geschichte-des-rauchens.de/ Die Geschichte des Rauchens]
- [http://www.raucherportal.de/ Das Raucherportal: alles über das Rauchen]
- [http://www.aktiv-rauchfrei.de/ Aktiv für eine rauchfreie Zukunft]

Nichtraucherorganisationen


- [http://www.pro-rauchfrei.de Pro Rauchfrei e.V.]
- [http://www.ni-d.de Nichtraucherinitiative Deutschland e.V.]
- [http://www.nichtraucher.org/ Suche nach nichtraucherfreundlichen Gastronomiebetrieben]
- [http://www.optiserver.de/aktionsbuendnis_nichtrauchen/index.html Aktionsbündnis Nichtrauchen]
- [http://www.proaere.ch Stiftung pro aere (Schweizerische Stiftung für Passivraucherschutz)]
- [http://www.qualmfreies-deutschland.de Verein "Qualmfreies Deutschland e.V."]

Raucherprävention


- [http://www.ift-nord.de/ift/be/ „Be Smart - Don't Start“] (Jährlicher Wettbewerb für Schulklassen)
- [http://www.besmart.at/asp/default.asp Österreichische Website des Wettwerbs „Be Smart - Don't Start“]

Raucherentwöhnung


- [http://www.easywell.de/start/index.html Die Allen Carr "Easyway" Methode] (u.a. auch zu anderen suchtbezogenen Themen)
- [http://www.rauchfrei.de Rauchfrei.de Nichtraucherportal]
- [http://www.nichtraucher.de Nichtraucher.de]
- [http://www.rauchfrei2004.de Rauchfrei2004]
- [http://www.raucherentwoehnung-online.de Kursverzeichnis zur Raucherentwöhnung]
- [http://www.infantologie.de/raucher/tips.php Tipps zum Aufhören]
- [http://www.ift-nord.de/ift/jbsf/ "Just be smokefree"] (Raucherentwöhnungsprogramm speziell für Jugendliche und junge Erwachsene)

Gesundheitliche Folgen


- [http://www.rauchfrei.de/giftmix.htm Giftstoffe im Tabak]
- [http://www.pro-rauchfrei.de/artikel_870.htm Gefährliche Zusatzstoffe in Tabakwaren]
- [http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=19441 Chromosomenschäden beim Kind durch Rauchen der Schwangeren I]
- [http://www.sueddeutsche.de/,tt5m2/wissen/artikel/745/50695/ vor- und nachgeburtliche Schädigung von Kindern durch Rauchen]
- [http://wiki.gruene-jugend.de/index.php/Rauchen_und_Zahngesundheit Rauchen und Zahngesundheit] - "Mein Freund Paul stinkt aus dem Maul"
- [http://www.dr-dr-wolf-mkgpraxis.de/geszaehhf.html#LP5 Rauchen gefährdet die Zähne]
- [http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=16696 Epidemiologie: Raucher sterben zehn Jahre früher (22. Juni 2004)]
- [http://www.wissenschaft.de/wissen/news/257122.html www.wissenschaft.de: Warum Ex-Raucher zunehmen]
- [http://www.wissenschaft.de/wissen/news/257284.html www.wissenschaft.de: Warum Rauchen den Blutdruck hochtreibt] Der Tabakkonsum vermindert die Menge eines wichtigen regulierenden Enzyms namens Monaminoxidase in der Lunge Kategorie:Gesundheitsrisiko Kategorie:Tabak Kategorie:Zigaretten Kategorie:Sucht

Tabak

Tabak (Nicotina spp.) ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae), zu denen auch die Tomate, Kartoffel und Tollkirsche gehören. Heutzutage sind 65 Tabak-Arten bekannt. Sie unterscheiden sich stark in ihren Formen. Gemeinsames Merkmal ist das spezifische Alkaloid Nikotin, das nur Tabakpflanzen in den Blättern produzieren; dadurch ist Tabak eine relativ starke Droge. Als Nutzpflanze haben nur zwei Arten wirtschaftliche Bedeutung, die zahlreiche Varietäten bilden. Die verbreitetste Art ist der Virginische Tabak (Nicotina tabacum), zu der nahezu alle heute angebauten Sorten gehören. Vereinzelt wird außerdem noch Bauerntabak (Nicotina rustica) angebaut. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Ziertabak-Arten.

Arten

Virginischer Tabak (Nicotina tabacum)

Die bedeutendste Tabakart N. tabacum hat heute mannigfaltige Formen, da sie ursprünglich selbst aus der natürlichen Kreuzung zwischen Waldtabak (N. sylvestris) und filzigem Tabak (N. tomentosa) hervorgegangen ist. Genetisch ist N. tabacum tetraploid, d.h. er verfügt über vier Chromosomensätze. Droge Virginischer Tabak hat rosarote Blüten mit fünf Blütenblättern, wobei sich die übrigen Formen zwischen zwei extremen Varietäten bewegen: Einerseits pyramidenförmig wachsende Pflanzen mit langen, gewinkelten und gewellten Blättern sowie langen Blütenkelchen, andererseits kugelförmig wachsende Varietäten mit breiten, ebenen Blättern und kurzen, glockigen Blütenkelchen. Die wichtigsten der heute über 600 angebauten Sorten können nach Verwendungsart im wesentlichen in folgende Grundtypen unterteilt werden:
- Virginia: Hochwachsende, breitblättrige Tabaksorten. Überwiegend werden die stark zuckerhaltigen hellen Virginiasorten als Fülltabak für Zigaretten- und Pfeifentabak angebaut. Sie werden heißluftgetrocknet und können somit vier Tage nach der Ernte verarbeitet werden. Der mit Hilfe von Röhren (engl. "flue") getrocknete Tabak wird auch als Flue-Cured Virgina (FCV) bezeichnet. Droge
- Burley: Brauner, pyramidenförmig wachsender Tabak mit vergrößerter Zellstruktur, die zu einer hohen Absorptionsfähigkeit für Aromastoffe führt. Diese Sorte wird vorwiegend für Zigaretten- und Pfeifentabak verwendet.
- Orientsorten: Kleinwüchsige, zumeist sehr zuckerhaltige und nikotinarme Varietäten, die an die kargen, trockenen Böden des östlichen Mittelmeerraums angepasst sind. Wegen ihres hohen Anteils an aromatischen Ölen und Harzen werden diese Tabake als Würztabak für Zigaretten- und Pfeifenmischungen verwendet.
- Dunkle luftgetrocknete Tabake (DLT): Alle Zigarrentabaksorten, die 2-3 Monate in Trockenscheunen aufgehängt und anschließend fermentiert werden.
- Weitere Typen wie Maryland, Sumatra und verschiedene andere Zigarrensorten.

Bauerntabak (Nicotiana rustica)

Der gelbblühende, strauchig wachsende Bauerntabak wird heute nur noch in Russland und in einigen osteuropäischen Staaten angebaut. Bekanntestes Rusticaprodukt ist die russische Machorkazigarette. Wegen seines Geruchs wird er auch Veilchentabak genannt, der früher in Deutschland angebaute Rusticatabak hieß wegen der Blattform Rundblatt-Tabak. Besonderes Merkmal ist der äußerst hohe Nikotinanteil in den Blättern, weshalb entsprechende Tabakwaren in der EU nicht vertrieben werden dürfen. Der seit dem Dreißigjährigen Krieg in Europa angebaute Bauerntabak ist aus der natürlichen Kreuzung der Arten N. paniculata und N. undulata hervorgegangen und existiert heute in zahlreichen Sorten.

Ziertabak

Zahlreiche Tabakarten werden heute als Ziertabak angebaut. Sie haben mannigfaltige Formen, zwei verbreitete Beispiele sind der bis zu 1,7 m hohe durch lange weiße Blütenröhren gekennzeichnete Waldtabak (Nicotiana sylvestris) und der Scharlachkönig (Nicotiana x sanderae), ein dunkel scharlachrot blühender, etwa 60 cm hoch wachsender Ziertabak.

Verwendung

Dreißigjährigen Krieg Die getrockneten, kurierten und gerebelten Tabak-Blätter (Rauchkraut) können in Tabakspfeifen oder gedreht als Zigaretten, Zigarillos und Zigarren geraucht werden. Das giftige, suchtauslösende Nikotin wird dabei zu großen Teilen verbrannt. Weniger verbreitet ist der Konsum in Form von Snus, Kautabak und Schnupftabak. Tabak darf niemals durch Essen konsumiert werden: durch den hohen Nikotinanteil kann der Verzehr auch nur geringer Mengen zum Tod durch Atemlähmung führen.

Welternte von Rohtabak

Atemlähmung Die weltweite Rohtabakernte beträgt ca. 7 Millionen Tonnen, davon 2,55 Millionen Tonnen in der Volksrepublik China. Weitere bedeutende Tabakanbaustaaten sind: Hauptimporteure sind die USA, Deutschland, Grossbritannien, Russland und die Niederlande.

Geschichte

Der Ursprung des Tabakkonsums und seine Verbreitung durch den Kolonialismus

Ursprünglich stammt die Tabakpflanze aus Amerika. Den Anbau und Konsum gab es von Brasilien bis Kanada bereits vor der Spanierankunft. Die Tabakblätter wurden in Verbindung mit Kalk gekaut (Nordküste Südamerika), ein Puder mit zur ½ Bestandteil Tabak wurde geschnupft (karibische Inseln) und die Tabakblätter wurden zum Saft gekocht (Guyana-Gebiet). Auch die Urform der Zigarette gab es schon - man rauchte: zusammengerollte kleine Tabakblätter umwickelt von Grossen (Brasilien, Zentralamerika, karibischen Inseln), zerkleinerten Tabak in Schilfröhrchen (Mexiko), sowie den Tabak in einer Pfeife aus Ton, Holz, Stein, Schildpatt oder Silber (Nordamerika). Das Rauchen selber hat sich vermutlich aus der Weihrauchzeremonie der Priester und Medizinmänner entwickelt: Regenzauber, Rauchopfer etc. Auch verbunden mit dem ebengenannten ist seine medizinische Verwendung: das Tabaksaft-Trinken bei Initiationsbräuchen, das Legen von Tabakblättern auf die verwundete Haut etc. Als Beginn der Tabak-Entdeckung für die restliche Welt kann man den 12. Oktober 1492 nennen, als Christoph Columbus auf den Bahamas landete. Die Inselbewohner brachten ihm Präsente, darunter Tabakblätter. Mit diesem Geschenk konnte er erst etwas anfangen, als zwei seiner Männer auf der Insel Kuba die Eingeborenen sich die Blätter in den Mund stecken, diese anzünden und dann den Rauch „trinken“ sahen. 1499 lernten Spanier an Venezuelas Küste das Tabak-Kauen kennen, 1500 begegnete der Portugiese Cabral dem Pfeiferauchen. 1518 fanden Spanier in Mexiko eine sehr entwickelte Kultur des Rauchens vor. 1536 erzählte Cartier von den Rauchgewohnheiten der Indianer Kanadas und dem dazugehörigen Untensil, welches er „pipe“ nannte, das Vorwort für die heutige Pfeife. Das Wort Tabak stammt wahrscheinlich aus den Antillen, wo das Rauchrohr „tobacco“ hieß. Die Matrosen, Pendler zwischen alter und neuer Welt, fanden Gefallen am Tabak und brachten ihn in die süd- und westeuropäischen Häfen, von wo aus Händler sie in der ganzen Welt verbreiten. Schnell wurde die Sitte des Rauchens übernommen und zunächst auf den Verbrauch anderer Drogen (Cannabis etc.) übertragen. Durch den Abhängigkeitsfaktor des Tabaks wurde dieser rasch zum teuren und bedeutungsvollen Handelsgut und auch seine, so glaubte man, medizinische Wirkung steuerte dazu bei.

Verbotsversuche im 17. Jahrhundert

Es gab auch damals schon Gegner des Tabakgenusses; sie prangerten unter anderem seinen Missbrauch als Genussdroge an. 1575 wurde für die Kirchen in Mexiko ein erstes Verbot gegen das Rauchen erhoben, da man in der "heidnische Sitte" des Rauchens eine Entweihung der Kirchen sah. Spätere Kontrollversuche wurden oft auf Grund von wirtschaftlichen und politischen Ideen aufgestellt. Die Verbreitung des Tabaks einerseits und diese Kontrollversuche andererseits führten im 17. Jahrhundert zu einer Drogenkrise, in Europa und auch in asiatischen Ländern. Ein Beispiel ist hier Großbritannien: London war zu einem führenden Tabakhandelszentrum geworden und das Pfeiferauchen in Großbritannien sehr schnell zur Sitte. Tabak war ein teures Gut - um die Jahrhundertwende den zehnfachen Preis von Pfeffer wert. Jakob I., zu dieser Zeit Herrscher von England, veröffentlichte 1603 seine Schrift „Der Rauchgegner oder ein königliches Scherzstück über den Tabak“, was 1604 in deutscher Übersetzung herauskam, eine Streitschrift gegen den Tabak. Der König nannte seine Abscheu dem Tabak gegenüber, bezweifelte dessen medizinische Wirkung und erwähnte seine Verachtung vor den "ausschweifenden und liederlichen" Rauchern. Sicher hätte er den Tabak gerne verboten, doch dessen große Verbreitung und der gängige Glaube an die medizinische Wirkung des Tabaks ließen diese Aufgabe als zu schwierig erscheinen. Der erste Versuch eines (indirekten) Tabakverbotes geschah dann in Form von Erhöhungen des Einfuhrzolles um 4000%. Die Auswirkung war, dass die Zahl der legalen Importe sank, mit ihnen auch die königlichen Einnahmen. Stattdessen wuchs der Schmuggel, die Ware wurde gestreckt, und der Konsum stieg weiter an. 1608 wurden die Zölle wieder gesenkt und die Steuer für den Tabak zu einer bedeutsamen königlichen Einnahmequelle. In Deutschland wurde die neue Gewohnheit des Rauchens anfänglich mit Verwunderung begutachtet, weitete sich dann aber schnell aus, über die Soldaten des Dreißigjährigen Krieges in die gesamte Bevölkerung, ob jung oder alt, Mann oder Frau. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts gab es in Kursachsen, Bayern, den Habsburgischen Erblanden in Österreich und vielen anderen Kleinfürstentümern Verbote gegen den Verkauf von Tabak. Dies war nur in Apotheken erlaubt, wenn der Tabak als Medizin verkauft wurde. Jede Missachtung dieser Kontrollversuche wurde mit einer Geldstrafe (in Köln beispielsweise 50 Goldgulden), Arrest und Zwangsarbeit bestraft. Diese Kontrollversuche nützten jedoch wenig. Sie wurden nie ernsthaft beachtet, da die Anzahl der Süchtigen zu groß und die Verkäufer zu ehrbar waren. Zwangsarbeit In Russland, China, Japan und der Türkei ging man mit härteren Mitteln gegen den Tabak und seine Verbreitung vor mit dem Hintergrund, dass er dort für Westeinfluss, die politische Gegenseite und einen Veränderungswillen stand. So gab es unter Sultan Murad IV. eine grausige Raucherverfolgung. 1633 wurden vom Sultan alle Tabakhäuser niedergerissen, und das Rauchen wurde mit der Todesstrafe geahndet. In Russland wurde in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts der Tabakkonsum vom Klerus als Todessünde angesehen und mit Nasenaufreißen und Lippenaufschneiden bestraft.

Das Appalto-System

Jedoch wurde von allen Herrschern nach und nach erkannt, dass sich aus dem Tabakhandel enorme Geldmengen für den Staatshaushalt ziehen lassen. So wurden die anfänglichen Verbote bald durch eine gezielte Steuerpolitik ersetzt. Hierbei übernahm man das "Appalto-System", welches 1627 in Mantua und 1659 in Venedig entwickelt worden war: Ein- und Verkauf sowie Steuererhebung wurde von privaten Wächtern durchgeführt. Diese mussten dafür festgelegte Summen bezahlen und versuchten wiederum, über den Käufer so viel Geld wie nur möglich zu erlangen. Der Tabakpreis stieg deshalb immens an. Zur Unterdrückung des Schmuggels hatten die Pächter Informanten mit der Berechtigung zur Vergabe von Geldstrafen. Durch ihre Skrupellosigkeit waren die Tabakpächter und ebenso ihre Spitzel beim Volk nicht beliebt. In Frankreich wurden beispielsweise von den Agenten der Pächter rund 2500 Männer, 2000 Frauen und 6000 Kinder festgenommen, deren Richter von den Pächtern bezahlt wurden. Doch keine noch so grausame Strafe konnte den illegalen Tabakhandel unterbinden. Überall gab es Schmuggelbanden, teilweise mit mehreren hundert bewaffneten Reitern; die Anführer wurden sogar zu Volkshelden. Den Königen wurde die Schuld an den immensen Tabakpreisen sowie dem skrupellosen Verhalten der Pächter zugeschoben, mit ein Grund für die revolutionären Unruhen. Im laufe der Französischen Revolution wurden 1794 die letzten Tabak-Pächter auf der Guillotine hingerichtet. Das Appalto-System wurde nach einiger Zeit durch staatliche Regie oder eine Verbrauchssteuer ersetzt. Davon sind bis heute die gegensätzliche Drogenpolitik hinsichtlich des Tabaks, die Gesundheitsbedenken und legaler Handel geblieben.

18.- und 19. Jahrhundert: Tabakkonsumformen und deren soziale Bedeutung

Der Tabak besaß zu dieser Zeit die Eigenschaften einer Genussdroge sowie einer Steuerquelle. Deshalb stieg der Tabakkonsum stetig an; er war im Alltag, aber auch als Kunstobjekt gefragt. So fand man Tabakfeld und Tabakpflanze als Briefmarkenmotiv wieder, und der Tabak schmückte als Zierpflanze 1818 in Washington die Kapitelle der Säulen des Kapitols. Kapitols] Die damals gebräuchlichste Form des Rauchens die Tabakspfeife. So wurden in Afrika hölzerne und irdene Pfeifen, in Persien und Indien Wasserpfeifen, in Europa Tonmodelle, Meerschaum- und Bernsteinpfeifen, bemalte Porzellankopf- und Heidekrautwurzelpfeifen hergestellt. Oft floss in die Gestaltung der Pfeifen auch die politische Ansichtsweise mit ein. Wasserpfeife Trotz der starken Verbreitung des Pfeiferauchens besaßen zu damaliger Zeit auch Schnupftabak und die Zigarre eine große Popularität. Vor allem das 18. Jahrhundert gilt als Zeitraum des Schnupftabaks. Dieser gelangte aus Amerika nach Portugal, Spanien und Italien. In diesen Ländern waren die Priester die stärksten Schnupfer. Das ständige Niesen in den Messen führte dazu, dass die Kirche ein Verbot des Tabakschnupfens erließ. Dieses war jedoch erfolglos, sodass 1725 das Schnupfen und Rauchen von Tabak von der Kirche wieder erlaubt wurde. Der Tabak wurde anfänglich eigens als kegelförmige Pressform gekauft und anschließend auf einer Reibe geraspelt. Zu späteren Zeiten gab es dann den Beruf des Rasplers, bei dem man den fertigen Schnupftabak kaufte. Ludwig XIV. besaß eine Abneigung gegen das Rauchen, weswegen statt dessen am königlichen Hof das Schnupfen gängig wurde. Außerdem wollte sich die Aristokratie vom aufstrebenden Bürgertum durch eine gehobene Lebensführung abgrenzen. So wurde das Schnupfen zu einer regelrechten Kunstform entwickelt, die es zu zelebrieren galt. Bei einem echten Edelmann der Rokoko-Zeit durfte das passende Accessoire, die Tabakdose, nicht fehlen, die so kostbar wie nur möglich zu sein hatte, aus Porzellan oder Gold und mit Edelsteinen besetzt. Tabakdosen wurden auch als Diplomatenpräsent verschenkt. Zeitgenössische Kritiker betonten aber auch die Nachteile des Tabakschnupfens: man bekomme "triefende und stinkende Nasen" und einen schlechten Atem. Dennoch wurde das französische Tabakschnupfen vom restlichen Europa, vom Adel wie vom Volk, übernommen, und nicht nur die Männer schnupften Tabak, sondern auch Frauen. Zum Ende des 18. Jahrhunderts war in Deutschland und Frankreich 90% des verkauften Tabaks Schnupftabak. Über 200 Sorten waren im Handel. Der Konkurrenzkampf war enorm und so entstand die erste Tabakreklame. Der Tabakdose kam die Funktion des Politikums zu - es gab beispielsweise für das Volk Dosen mit den Gesichtern von Voltaire, für die Royalisten das Konterfei von Ludwig XIV. Im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts ebbte das Schnupfen des Tabaks ab, da dem "Ancien Régime" ein Ende gesetzt wurde und somit auch der Aristokratie mit ihrer Schnupfkultur. Jetzt, da die Zeit des Bürgertums gekommen war, brauchte diese ein anderes Kennzeichen: Die Zigarre. Ihr Ausgangspunkt war Spanien, und bereits 1720 waren in der Zigarrenindustrie in Sevilla über 1000 Frauen tätig (hier sei an die Oper Carmen erinnert). Nach 1814 verbreiteten französische und englische Soldaten, die sich während der Napoleonischen Kriege auf spanischem Boden befanden, die Zigarre in ihre Heimatländer. Auch in anderen europäischen Ländern wuchsen der Produktion und Konsum der Zigarre. In Preußen betrachtete man die Angewohnheit des Zigarrenrauchens mit Argwohn, denn es galt zur Zeit vor der Märzrevolution als ein Symbol für "Volksverhetzer". So war in Berlin das Rauchen der Zigarre auf der Straße verboten. Missachtung dieses Gesetzes wurde als "Auflehnung gegen die herrschende Staatsgewalt" angesehen. Nach der Revolution wurde das Verbot 1848 als "Zugeständnis an die Revolutionäre" aufgehoben. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Zigarre dann ein Symbol des Bürgerreichtums, die gehobene Gesellschaft richtete in ihren Häusern Rauchzimmer ein. In den USA wurde zur Jahrhundertwende im Verhältnis im Vergleich mit anderen Nationen viel Kautabak verbraucht. Tabak zu kauen galt als männlich, der dazu gehörige Spucknapf durfte ebenfalls nicht fehlen. Im Jahr 1947 wurden 100 Millionen Pfund Kautabak verkauft. In Europa taten es nur die Seeleute den Amerikanern wegen der Brandgefahr auf Schiffen gleich. Danach begann allerdings der Siegeszug der Zigarette.

Die Zigarette im 19. und 20. Jahrhundert

Um Abfälle der Zigarrenproduktion nutzbringend zu verwerten, wickelten Arbeiterinnen der Tabakmanufakturen Tabakreste in Papier. Diese "papelitos" wurden ab dem 18. Jahrhundert in Mexiko-Stadt zum Verkauf angeboten und kamen dann zu Beginn des 19. Jahrhunderts über Spanien nach Frankreich. Hier erlangte die Zigarette ihren heute üblichen Namen - die französische Verkleinerungsform von "cigare" (Zigarre). Auch im Osmanischen Reich und in Russland war sie sehr begehrt, da hier ein milderer als der europäische oder amerikanische Tabak angepflanzt wurde, wodurch die Zigaretten besser schmeckten. Im ersten Krimkrieg (1853-1856) rauchten die mit den Osmanen verbündeten englischen und französischen Soldaten Tabak in Zeitungspapier. Die "kosja noschka", pfeifenähnlich gefaltetes und mit Tabak gefülltes Papier, und ebenso die "zirhaha", eine Papierrolle in Zigarrenform, waren beide billiger als die Zigarre und kriegstauglicher als eine zerbrechliche Pfeife. Die Offiziere übernahmen diese Zigarettenvorformen und brachten sie in die Londoner und Pariser Clubs. Es entstanden Zulieferer-Märkte in Kairo, Konstantinopel, Moskau und und St. Petersburg. Die erste Zigarettenfirma Deutschlands entstand 1862 in Dresden als Zweigstelle der Petersburger Firma Laferme mit anfänglich gerade einmal sieben Mitarbeitern. In den darauffolgenden Jahrzehnten gab es immer mehr Betriebe in Deutschland, Griechenland, Russland und anderen Ländern. Die Produktion in Deutschland stieg von 60 Millionen in den 60er Jahren des 19. Jahrhundert auf 11,5 Milliarden im Jahr 1912. Tabak und Zigaretten wurden auch importiert, vor allem russische, türkische und ägyptische. Die Zigarette bekam Kultstatus und deren Utensilien, wie edle Etuis, wurden zu Statussymbolen. Man konnte sich mit der Zigarette vom gewöhnlichen Bürger abgrenzen und "weltmännische Überlegenheit", Weltläufigkeit, elegante Lebenskunst, sowie eine Tendenz zur Verruchtheit demonstrieren. Im Gegensatz zur Zigarre, die eher für den langsamen Genießer stand, war die Zigarette der Schnelllebigkeit, dem Zeitgefühl der damaligen Zeit, zugeschrieben und passte somit besser als die zuvor beliebte Zigarre. Die Pfeife geriet aus der Mode, denn die Stopfvorgänge waren langwierig. Mit der Einführung der Zigarette gab es nun außerdem eine Rauchdroge, die auch für die Unterschichten bezahlbar war. Sie war nicht nur billiger, auch der Lebensstandard war gewachsen, zugenommen hatten aber auch Stress- und Leistungssituationen, Lust auf Anregung und Entspannung. Die Zigarette milder als die anderen Tabakformen, es kam seltener zur Überdosis. Das Erlernen des Zigarettenrauchens, also der Weg in die Sucht, war leichter als bei Pfeife und Zigarre. Im ersten Weltkrieg, in der Wirtschaftskrise und im zweiten Weltkrieg unterdrückte die Zigarette den Hunger der Bevölkerung. Frauen wurden mit der Zigarette als neuer Kundenstamm erschlossen, da Pfreife oder Zigarre als zu männlich betrachtet wurden. Die schlanke Zigarette paßte zum damaligen Schönheitsideal, und so wurde das Zigarettenrauchen von emanzipierten Frauen populär gemacht. Mit der aufkommenden Zigarettenwerbung versuchte die Industrie, die Nachfrage zu erhöhen und den Markt auszudehnen. 1910 gab es rund 20.000 Zigarettenhersteller, aber dann waren es die großen Zigarettenmarken, die eine Konzentration im Industriesektor vorantrieben. In den USA wuchsen Produktion und -konsum stärker als in Deutschland. Dort wurde eine neue Tabakmischung erfunden, die "American Blend", einer Mischung aus Virginia-, Burley- und türkischem Tabak. Deren Vorteil war, dass sie milder und billiger waren. Dazu wurde dieser Tabak mit einer neuen Methode getrocknet, mit Hilfe von durch Metallröhren geleiteter Hitze. Dabei entsteht eine Fermentation, die sauren Rauch ermöglicht. Saurer Rauch gelangt besser in die Lunge, und somit kann das Nikotin schneller ins Gehirn gelangen. 1913 kam die erste „Camel“-Zigarette auf den Markt. Die Marke erlangte bis 1918 einen 40%-Marktanteil und blieb lange Zeit der Liebling der Amerikaner. 1939 kam die "Pall Mall" auf den Markt und mit ihr die erste King Size-Zigarette, 1954 die Winston als erste Filterzigarette. Etwa zeitgleich mit der Prohibition gegen den Alkohol wurden von 1895 bis 1921 in 14 Bundesstaaten der USA Gesetze gegen den Tabakkonsum erlassen, die jedoch wenig Erfolg zeigten. In den 1930er Jahren war Deutschland der größte Tabakimporteur der Welt, pro Jahr wurden 100.000t (aus Griechenland, der Türkei und Bulgarien) eingeführt. Dabei rauchten 80% aller deutschen Männer (12,5 Zigaretten pro Tag) und zwanzig Prozent aller Frauen (7,2 Zigaretten pro Tag). Im August 1939, mit Beginn des zweiten Weltkriegs, wurde der Tabak rationiert; es gab nun Raucherkarten: für erwachsene Männer, denen pro Monat 40 Zigaretten zustanden, für Frauen im Alter von 25-55, die pro Monat 20 erhielten. Im Nachkriegsdeutschland wurden wegen des völligen Zusammenbruchs von Wirtschaft und Geldverkehr Zigaretten zu einer Zweitwährung, der Zigarettenschmuggel blühte.

Entdeckung der Gesundheitsrisiken

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts erschienen erste Berichte über negative Klinikerfahrungen, doch es gab noch zu wenige medizinische Argumente gegen den Tabakkonsum. Erst als Vergleiche und Langzeituntersuchungen zwischen Nicht-Rauchern und Rauchern durchgeführt wurden, stellte man gesundheitsschädigende Folgen fest. Die ersten großen Untersuchungen wurden in den 1950ern durchgeführt, die Ergebnisse wurden vom amerikanischen „Surgeon General`s Advisory Committee“ zusammengefasst und veröffentlicht: die Ergebnissse waren ein Schock für die Gesellschaft. Durch intensive Forschung und Aufklärungskampagnen bestehen heutzutage keine Zweifel mehr über Gefahren des Tabakrauchens und die Wirkung der Nikotinsucht.

Siehe auch


- Tabakanbau, Tabakrauchen
- Tabakspfeife, Zigarre, Zigarette, Schnupftabak
- Tabaksteuer

Weblinks


- [http://www.verbraucherministerium.de/index-0006B4416C301284A4626521C0A8D816.html Zusatzstoffe in Tabakprodukten]
- [http://untersuchungsaemter-bw.de/seiten/tabak.html Untersuchungsaemter-BW.de - Inhaltsstoffe von Tabak]
- [http://www.giftpflanzen.com/nicotiana_tabacum.html Virginischer Tabak]
- [http://www.giftpflanzen.com/nicotiana_rustica.html Bauerntabak]
- [http://www.giftpflanzen.com/nicotiana_glauca.html Strauchtabak]
- [http://mkat.iwf.de/index.asp?GUID=444C4755494400E266A108BF2C3400A6E46716030103002A27A8C04812000000 "Früher haben wir Tabak geliefert..." - Tabakanbau in der Uckermark 1993/94]
- [http://www.museum-buende.de/tabak/index.htm Deutsches Tabak- und Zigarrenmuseum] in Bünde Kategorie:Nachtschattengewächse Kategorie:Nutzpflanze Kategorie:Zigaretten Kategorie:Feldwirtschaft Kategorie:Pflanzliche Droge Kategorie:Tabak Kategorie:Genussmittel ja:タバコ ko:담배

Benzapyren

Benzo[a]pyren (1,2-Benzpyren) ist ein polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoff. Die veraltete Bezeichnung für diese chemische Verbindung lautet 3,4-Benzpyren. Nach IUPAC ist der korrekte Name Benzo[def]chrysen.

Vorkommen und Entstehung

Benzo[a]pyren kommt im Steinkohlenteer vor. Zudem entsteht es bei der unvollständigen Verbrennung von organischen Stoffen und ist infolge dessen weit verbreitet. So findet man es in Auto- und Industrieabgasen. Während des Rauchens von Zigaretten wird es bei ungefähr 300 °C in der Tabakbrennzone gebildet. In Grillprodukten, die über Holzkohle oder Kiefernzapfen zubereitet wurden, lässt sich Benzo[a]pyren nachweisen. Spuren von Benzo[a]pyren kommen im Boden, in Gemüse und Getreide vor.

Gewinnung und Darstellung

Benzo[a]pyren lässt sich aus Kohlenteer und anderen Teeren durch Extraktion gewinnen. Eine Synthese kann durch katalytische Hydrierung von Cycloalkanen in Gegenwart der Übergangsmetalle Platin, Palladium und Nickel bewerkstelligt werden. Eine alternative Hydrierungsmethode ist die bei Hitze, wenn man die Eleme